MEDIA CENTER

22. September 2021, Pressemitteilung in Organisation & Transparenz

30 Jahre nach Gründung: DKMS erweitert ihre Mission

Zugang zu Transplantationen in anderen Regionen der Welt - Krankenhausstation für Thalassämiepatient:innen in Indien

Tübingen, 22. September 2021 – Seit 30 Jahren kämpft die gemeinnützige internationale Organisation DKMS gegen Blutkrebs, indem sie potenzielle Stammzellspender:innen registriert. Jetzt erweitert die weltweit führende Stammzellspenderdatei ihre Mission. Das Ziel: Patient:innen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die oftmals keine Chance auf eine Stammzelltransplantation haben, den Zugang zu dieser lebensrettenden Therapie zu ermöglichen. Als Teil eines umfangreichen Hilfsprogramms („Access to Transplantation“) hat die DKMS heute in Gedenken an Mechtild Harf in Bangalore/Indien gemeinsam mit weiteren gemeinnützigen Partnern eine Transplantationsstation für Kinder mit Thalassämie eröffnet.

In der neuen, hochmodernen medizinischen Einrichtung am Bhagwan Mahaveer Jain Hospital (BMJH) in Bangalore erhalten künftig jedes Jahr etwa 120 Kinder, die an Blutkrebs oder Blutkrankheiten wie Thalassämie oder Sichelzellenanämie leiden, eine lebensrettende Stammzelltransplantation. Vor Ort arbeitet die DKMS mit lokalen, ebenfalls gemeinnützigen Partnern zusammen: der Sankalp India Foundation und Cure2Children.

„Es ist eine große Ehre für uns, dass die erste Transplantationsstation in Gedenken an Mechtild Harf heute ihre Türen für Kinder in Not öffnet“, sagt Dr. Elke Neujahr, Global Chief Executive Officer der DKMS. „Blutkrebs und andere lebensbedrohliche Blutkrankheiten lassen sich nur mit einem ganzheitlichen Ansatz wirksam besiegen. 30 Jahre nach unserer Gründung weiten wir daher unsere Aktivitäten aus: Neben der Registrierung möglichst vieler potenzieller Stammzellspenderinnen und Stammzellspender setzen wir uns für Patientinnen und Patienten ein, deren geografische oder sozioökonomische Situation den Zugang zur Transplantation erschwert“, erklärt sie. Eine Stammzelltransplantation sei oft die einzige Chance auf Heilung, aber für viele Familien unerschwinglich. Deshalb beteilige sich die DKMS auch an den Kosten der Transplantation. „Unser Ziel ist es, die finanzielle Belastung der betroffenen Familien zu verringern und bessere Voraussetzungen für die Behandlung zu schaffen“, sagt Neujahr weiter.

Alle fünf Minuten wird in Indien bei einem Menschen Blutkrebs oder eine vererbte Blutkrankheit wie Thalassämie oder Sichelzellenanämie diagnostiziert. Mit über 42 Millionen Trägern gilt das Land als Thalassämie-Hochburg der Welt. Da es sich um eine weit verbreitete Erbkrankheit handelt, werden allein dort jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder mit dieser schweren Anämie geboren. Patient:innen, die an dieser Krankheit leiden, benötigen regelmäßig Bluttransfusionen. Die wirksamste Behandlung ist eine Stammzelltransplantation, idealerweise in einem frühen Alter. Der Bedarf an Transplantationen bei Kindern ist in Indien daher extrem hoch. Doch in den Krankenhäusern fehlen Kapazitäten, um die kleinen Patient:innen medizinisch zu versorgen und die notwendige Behandlung zu gewährleisten.

DKMS erinnert an Mechtild Harfs Vermächtnis

Die neue Station ist nach Mechtild Harf benannt, die am 16. September 1991 an den Folgen ihrer Leukämieerkrankung verstarb. Zuvor hatte ihre Familie, allen voran ihr Ehemann, DKMS Gründer Peter Harf, alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine passende Stammzellspenderin oder einen passenden Stammzellspender für sie zu finden. Durch Mechtilds Schicksal wurde aus einer kleinen Privatinitiative das führende internationale Netzwerk von Stammzellspenderdateien der Welt mit Standorten in sieben Ländern auf fünf Kontinenten.

„Bevor meine Mutter starb, nahm sie meinem Vater das Versprechen ab, die Arbeit fortzusetzen, die wir begonnen hatten. Seitdem arbeiten wir unermüdlich daran, unsere Mission zu erfüllen, so vielen Patientinnen und Patienten wie möglich eine zweite Chance auf Leben zu geben. Es bedeutet mir sehr viel, dass der Name meiner Mutter von nun an mit der neuen Transplantationsstation verbunden sein wird. Das ist ihr Vermächtnis, sie lebt in unserer Arbeit weiter“, sagt Katharina Harf, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKMS Stiftung.

Dank Stammzellspende: Srinidhi (7) darf ein normales Leben führen

Einer der Patient:innen, die die DKMS im Rahmen des Förderprogramms der Organisation bereits unterstützt hat, ist der siebenjährige Srinidhi. Er kam mit seinen Eltern zur Eröffnung der neuen Transplantationsstation. Die Mutter des Jungen war seine passende Spenderin und Lebensretterin. Srinidhis Mutter berichtet von ihren Erfahrungen: „Nachdem ich meinen Sohn all die Jahre mit der Thalassämie kämpfen sah, fühlte ich mich hilflos, weil ich nichts tun konnte. Aber mit Hilfe der DKMS und der Sankalp India Foundation konnte ich meine Stammzellen spenden und das Leben meines Sohnes retten. Jahrelang haben wir in Angst und Ungewissheit gelebt, aber jetzt können wir wie eine normale, glückliche Familie leben.“

Zehn Betten für Stammzelltransplantationen stehen auf der neuen Station zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es eine Intensivstation mit drei Betten für Patient:innen in besonders kritischem Zustand. Ein Isolierzimmer, ein Tagespflegebereich für die Vorbereitung auf die Transplantation mit einem Spielbereich sowie eine Schulungs- und Ausbildungseinrichtung sind ebenfalls vorhanden. Die DKMS hat außerdem ein Molekularlabor finanziert. Es ermöglicht eine schnelle und hochmoderne genetische Diagnostik, Transplantationsgenetik und Erregernachweise und senkt damit die Kosten pro Transplantation, da diese Untersuchungen direkt vor Ort durchgeführt werden.

Internationales Hilfsprogramm der DKMS: „Access to Transplantation“

Das Projekt ist Teil des umfangreichen, internationalen DKMS Hilfsprogramms „Access to Transplantation“ (Zugang zu Transplantationen). Ziel ist es, Patient:innen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine Stammzelltransplantation und damit eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Das Hilfsprogramm besteht aus drei Säulen: einem Förderprogramm zur finanziellen Unterstützung von Patient:innen, einem HLA-Typisierungsprogramm, um geeignete Spender:innen in den Familien der Betroffenen zu identifizieren, sowie einem Programm, mit dem die DKMS gemeinnützige Krankenhäuser und Organisationen in Ländern unterstützt, in denen es an Ressourcen für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung mangelt. Um die Qualität der Versorgung auch langfristig zu verbessern, fördert die DKMS auch Schulungen für Ärzt:innen und Pflegepersonal.

Weitere Informationen über die Unterstützungsprogramme der DKMS für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen finden Sie unter: professional.dkms.org/services/support-programs/access-to-transplantation sowie unter dkms.de/informieren/ueber-die-dkms/besserer-zugang-zu-stammzelltransplantationen.

Über die DKMS

Die DKMS ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben hat. Sie wurde 1991 in Deutschland von Dr. Peter Harf gegründet und verfolgt seitdem mit mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen weltweit das Ziel, möglichst vielen Menschen eine zweite Lebenschance zu geben. Dies ist ihr bis heute mit über 11 Millionen registrierten Lebensspendern durch die Vermittlung von Stammzellspenden mehr als 95.000-mal gelungen. Damit ist sie weltweit führend in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Stammzelltransplantaten. Neben Deutschland ist die Organisation in den USA, Polen, UK, Chile und Afrika aktiv. In Indien hat sie gemeinsam mit dem Bangalore Medical Services Trust das Joint Venture DKMS-BMST gegründet.

Darüber hinaus engagiert sich die DKMS im Bereich Medizin und Wissenschaft mit ihrer eigenen Forschungseinheit, um die Überlebens- und Heilungschancen von Patient:innen immer weiter zu verbessern. In ihrem Hochleistungslabor, dem DKMS Life Science Lab, setzt sie weltweit Maßstäbe bei der Typisierung potenzieller Stammzellspender:innen.

Über Sankalp

Die Sankalp India Foundation ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Bangalore, die sich seit 2003 für Blutspenden und die Behandlung von Kindern mit Bluterkrankungen wie Thalassämie einsetzt. Sankalp hat ein Netzwerk von 15 gemeinnützigen Kindertagesstätten in ganz Indien aufgebaut, in denen über 2000 Kinder mit Bluterkrankungen eine angemessene medizinische Versorgung erhalten. Darüber hinaus behandelt die Organisation seit 2015 in ihren beiden Zentren (Bangalore und Ahmedabad) Kinder mit Blutstammzelltransplantationen auf gemeinnütziger Basis und hat bereits mehr als 350 Transplantationen für Kinder in Indien organisiert.

Über Cure2Children

Cure2Children ist eine gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, krebskranken Kindern und Kindern mit schweren Bluterkrankungen zu helfen. Die Organisation hat ihren Sitz in Florenz (Italien) und ist weltweit tätig. Sie wurde 2007 von einer Gruppe von Eltern, die ihre Kinder durch Krebs verloren hatten, in Zusammenarbeit mit dem pädiatrischen Hämatologen und Onkologen Dr. Lawrence Faulkner gegründet. Cure2Children hat die Einrichtung mehrerer Knochenmarktransplantationseinheiten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Südostasien, dem Nahen Osten und Afrika ermöglicht. Bis heute wurden fast 800 Knochenmarktransplantationen durchgeführt, hauptsächlich bei schweren Formen von Thalassämie bei Kindern unter 18 Jahren.

Diesen Beitrag teilen:

PRESSEKONTAKT

Abteilung Corporate Communications

DKMS
gemeinnützige GmbH

Aachener Str. 1042

50858 Köln

 

0221 – 940582 3311

presse@dkms.de

Über das DKMS Media Center

Das DKMS Media Center ist ein Angebot der DKMS Kommunikation für Journalist:innen und Multiplikator:innen.

Wir klären über Blutkrebs auf: regional, national und immer öfter auch international. Denn Aufklärung braucht Öffentlichkeit und unsere Öffentlichkeitsarbeit rettet Leben. Unser Ziel ist es, mittels aufmerksamkeitsstarker Medienberichte immer mehr Menschen dazu zu bewegen, sich dem Kampf gegen Blutkrebs anzuschließen: als registrierte Stammzellspender:innen oder als finanzielle oder ehrenamtliche Unterstützer:innen der DKMS.

Professionelle Medienarbeit in TV, Radio, Printmedien und Online sowie eine gute Zusammenarbeit mit Journalist:innen ist für uns dabei das beste Mittel, unser Thema bekannt zu machen.

Wir freuen uns über jeden, der uns bei diesem Anliegen unterstützt.