Spielend Leben retten
FC26-Profi Timo „TimoX“ Siep (29) hat vor Saisonbeginn der Virtuellen Bundesliga Meisterliches vollbracht. Er hat einem Menschen eine zweite Lebenschance ermöglicht.
Am Anfang von Timos E-Sports-Karriere stand ein Turnier, bei dem der damalige Hobbygamer eine PlayStation 4 gewonnen hat. Seit zehn Jahren ist er nun schon fester Bestandteil der deutschen E-Sport-Szene. Seit 2021 spielt er für den VfL Bochum. Vor wenigen Monaten tauschte der 29-Jährige aus Overath bei Köln den Controller für einige Stunden gegen die Liege im DKMS Collection Center: Er spendete Stammzellen für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen.
Dass ausgerechnet E-Sport einmal seinen Lebensunterhalt finanzieren würde, damit hätte Timo früher niemals gerechnet. Seine Gaming-Karriere begann völlig überraschend. In seiner Heimat wurde ein Gaming-Turnier veranstaltet, bei dem es eine neue PlayStation 4 zu gewinnen gab. Timo meldete sich spontan an, gewann den Wettbewerb und plötzlich war klar: In dem damals 17-Jährigen steckt geballtes Talent – und die PlayStation zum Trainieren steht nun parat.
„Ich hatte mich überhaupt nicht darauf vorbereitet und fand das selbst völlig unwahrscheinlich. Aber mit dem Turniersieg war klar, dass da wohl ein Talent in mir schlummerte“, reflektiert Timo seine Anfänge heute.
Vom Hobbyspieler zum Deutschen Meister
Mit der gewonnenen Konsole stieg er zu FIFA 15 (heute bekannt als EA Sports FC-Serie) intensiver ins kompetitive Gaming ein. Direkt in seinem ersten Jahr gewann er die Deutsche Meisterschaft, mit FIFA 16 verteidigte er seinen Titel.
Zur gleichen Zeit begannen immer mehr Profifußballvereine, eigene E-Sportler fest unter Vertrag zu nehmen. Einer davon war der VfL Wolfsburg. Für Timo war das Engagement bei den Wölfen damals der Einstieg in den professionellen E-Sport. Vier Jahre spielte er für die Niedersachsen, später führte ihn sein Weg über den FC Ingolstadt zum VfL Bochum. Dort geht er inzwischen in seine fünfte Spielzeit.
„Es hat mich einfach nicht losgelassen“
Ausgerechnet im Bochumer Ruhstadion nahm auch Timos Verbindung zur DKMS ihren Anfang. Bei einem Spiel des VfL Bochum entdeckte er im Stadion eine Registrierungsaktion der DKMS. „Eigentlich wäre es die perfekte Gelegenheit gewesen, sich direkt und superschnell als potenzieller Stammzellspender registrieren zu lassen“, erinnert sich Timo. „Doch ich war damals im Stadion verabredet, war erst auf den letzten Drücker angekommen und musste schnell weiter.“
Am Abend kreisten seine Gedanken noch immer um die verpasste Gelegenheit. „Es hat mich einfach nicht losgelassen. Ich hatte ja gesehen, wie unkompliziert das vor Ort ist.“ Also bestellte er sich über www.dkms.de kurzerhand ein Registrierungsset nach Hause.
Dass daraus tatsächlich einmal eine Stammzellspende werden würde, damit rechnete er nicht. „Ich wollte mich einfach registrieren und zur Verfügung stehen. Natürlich denkt man in dem Moment nicht unbedingt daran, dass man wirklich irgendwann gebraucht wird.“ Doch es sollte ganz anders ankommen.
„Hey, vielleicht kann ich wirklich jemandem helfen“
Timo war gerade in Köln mit Freunden zum Mittagessen verabredet, als ihn eine Nachricht der DKMS erreichte. Noch auf dem Weg zum Restaurant meldete er sich zurück und erfuhr, dass er als potenzieller Stammzellspender für einen Patienten infrage kommt. „Natürlich war ich direkt neugierig und wollte wissen, was das jetzt genau bedeutet. Gleichzeitig habe ich mich gefreut und gehofft: Hey, vielleicht kann ich wirklich jemandem helfen.“ Für ihn stand fest: Wenn medizinisch alles passt, ist er dabei.
Die Spende fand schließlich im Sommer 2026 nach den Voruntersuchungen in Köln statt. Timo spendete peripher über zwei Zugänge zu seinen Armvenen. „Im Grunde liegt man einfach da und wartet, bis alles abgelaufen ist und die benötigten Stammzellen herausgefiltert wurden. Die ersten beiden Piekser merkt man natürlich, aber danach war es wirklich total entspannt.“
Nicht einmal Kopfhörer hatte er mitgebracht. Vermisst hat er sie nicht. Er unterhielt sich mit den Mitarbeitenden, browste ein wenig im Internet und schaute Videos. „Die Zeit ging unglaublich schnell vorbei. Es hat sich überhaupt nicht wie dreieinhalb Stunden angefühlt.“
Zwei kurze Piekser, die Leben retten
Bis auf ein vorübergehendes Kribbeln in den Händen bemerkte er während der Entnahme kaum etwas. Nach der Spende war er etwas schläfrig und gönnte sich ein Nickerchen. Vor allem überwog ein anderes Gefühl: „Es war für mich ein großartiges Gefühl, dass ich jemandem vielleicht helfen konnte und durch die Spende meinen Teil geleistet habe.“
Die Stammzellen gingen an einen über 30-jährigen Mann aus Spanien. Ein späterer persönlicher Austausch ist aufgrund der dort geltenden Regelungen zunächst nicht möglich. „Ich hätte die Person sehr gerne kennengelernt. Ich finde Menschen und ihre Geschichten spannend. Aber am Ende ist das Wichtigste, dass meine Spende ihm hilft. Ich wünsche ihm einfach alles erdenklich Gute für die Zukunft.“
Die Registrierung möchte Timo allen, die es noch nicht gemacht haben, besonders ans Herz legen. „Ich kann jedem, der noch nicht registriert ist, wirklich die Angst davor nehmen. Sowohl die Registrierung als auch die Spende waren total unkompliziert. Es wird kein Druck ausgeübt und man wird sehr gut betreut. Ich würde es jederzeit wieder tun!“
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