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20. Mai 2020, News in Partner & Netzwerk

Im DKMS-Talk: Komponist Peter Banks über Musik und Krebs

Mit einem bewegenden Tanzvideo zu seinem Song „1980-F“ rührt die an Blutkrebs erkrankte Marion den Komponisten zutiefst

Familienmutter Marion ist an einer akuten Form von Blutkrebs erkrankt und bekam vor einigen Wochen durch eine Stammzelltransplantation eine neue Lebenschance. An einem ihrer besseren Tage im Krankenhaus tanzte sie voller Freude zu ihrem Lieblingssong „1980-F“ der Band „After The Fire“ und filmte sich dabei mit dem Smartphone. Das DKMS-Redaktionsteam hat mit dem Keyboarder und Komponisten des Songs Peter Banks über das emotionale Video gesprochen – für den Künstler ist es eine echte Inspiration. Er steht mit Marion mittlerweile in regelmäßigem Kontakt und sagt: Musik ist so wichtig für die Menschen, und es ist so wichtig, dass Musik gehört wird.

Die 45-jährige Marion Kremer aus Großbottwar in Baden-Württemberg kämpft derzeit tapfer gegen ihre Blutkrebserkrankung und appelliert an die Menschen, sich als Spender in die DKMS aufnehmen zu lassen, damit vielen weiteren Patienten in Not geholfen werden kann. Einige Wochen nach ihrer Stammzelltransplantation erhielt die Mutter von Zwillingen jetzt die Nachricht, dass sie „in Remission“ sei, was bedeutet, dass die Leukämiezellen durch die Behandlung zurückgedrängt werden konnten und sie derzeit in Knochenmark‎ und Blut mikroskopisch nicht mehr nachweisbar sind. Ihre Freude, ihre Hoffnung und ihren Lebensmut zeigt sie auch schon während der Behandlung im Krankenhaus eindrucksvoll in einem emotionalen Videoclip. Die Musik, zu der sie tanzt, hat eine ganz besondere Bedeutung für sie. „Das Lied, das ihr im Hintergrund hört, ist ‚1980-F‘ von After The Fire. Es ist eines der Lieder, die mich während meiner ‚Spaziergänge‘ in meinem Krankenzimmer am meisten motiviert, inspiriert und mit Energie versorgt haben“, sagt sie. „Es hat mich auch mental aufgemuntert, wann immer ich aufgrund der Schmerzen und Nebenwirkungen der Behandlung nicht in der Lage war, mich physisch zu bewegen. Ich habe nach dem kleinen Tanz drei Tage gebraucht, um mich wieder zu erholen – aber es hat sich sooo gelohnt. Danke Peter Banks, dass du diesen tollen ‚spirit lifter‘ komponiert hast!“

1980 hat der Brite den Song komponiert, der daraufhin in Deutschland für Furore sorgte, ebenso wie später ein Cover des Falko-Hits „Der Kommissar“.

Lieber Peter, ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für unser Interview nimmst. Wie geht es dir – besonders in Zeiten der Coronakrise?

Mir geht es so weit gut. Es sind sehr seltsame Zeiten, in denen wir leben, und ich denke, es ist das Beste, wenn wir uns an die Richtlinien halten, die unsere jeweiligen Regierungen uns geben. Wir befinden uns in einer Selbstisolation. Wir dürfen jeden Tag eine halbe Stunde lang hinausgehen – dabei müssen wir natürlich Abstand zu allen halten. Ich bin sehr froh, weil ich ein Musikzimmer habe, in das ich mich zurückziehen kann, und versuche, das Beste aus der Zeit zu machen.

1980 hast du das Lied „1980-F“ komponiert. Hättest du damals gedacht, dass dieses Lied ein solcher „Evergreen“ werden würde? Und was bedeutet es für einen Künstler, dass sein Lied auch 40 Jahre später die Menschen emotionalisiert?

Als wir „1980-F“ vor 40 Jahren aufnahmen, wollten wir einfach ein weiteres Instrumental auf dem Album haben. Wir hatten ein oder zwei weitere Instrumentalstücke auf dem vorherigen – unserem ersten – Album, und wir fanden es daher eine gute Idee. Was wir nicht wussten, war, dass das Lied so lange aktuell bleiben würde. Wir sind absolut begeistert, und ich empfinde es als eine große Ehre für mich als Komponisten. Die emotionale Verbindung, die die Menschen dazu haben, wird meiner Meinung nach sehr stark davon bestimmt, wann und wie man ein Musikstück hört. Wenn man es nicht hört, gibt es keine Chance auf eine emotionale Verbindung. Und weil dieses Lied in Deutschland, Österreich und der Schweiz viel im Radio gespielt wurde, ist es in das öffentliche Bewusstsein gelangt. Es ist so wunderbar, dass wir diese Zeit hatten, und es ist ein großer Segen für mich persönlich als Komponist.

Wie hast du dich gefühlt, als du Marions Tanzvideo gesehen hast?

Als ich Marions Tanzvideo gesehen habe, hatte ich zwei Reaktionen darauf. Ich war zum einen absolut entzückt, denn es ist wunderschön, wenn jemand tanzt, ohne dass jemand zusieht. Was mir zum anderen ganz klar war: Es steht noch eine ganze Reihe von Behandlungen an, die sehr schwierig und schmerzhaft zu verkraften sein könnten und die hoffentlich gut verlaufen werden. Dass die Musik im Hintergrund 1980-F ist, war einfach ein wunderbares Gefühl.

Von deinem Standpunkt aus gesehen: Wie kann Musik Patienten während der Therapie unterstützen?

Musik ist so wichtig für die Menschen, und es ist so wichtig, dass Musik gehört wird. Und Livemusik ist im Moment offensichtlich ein echter Hit. Die Menschen finden verschiedene Wege, Livemusik zu teilen, entweder per Video oder via Livestreams mit mehreren Bildschirmen, auf denen Menschen ihr Video zusammenstellen und die Menschen ihre kleinen Stücke an verschiedenen Orten aufzeichnen. Das ist gut. Musik bietet die Möglichkeit, aus dem Alltag zu flüchten. Die Förderung des Heilungsprozesses durch Musik ist so wichtig, und sie kann wirklich helfen. Es fühlt sich an wie eine zusätzliche Dimension zu den natürlichen Heilkräften und natürlich zu den eingesetzten Medikamenten.

Hast du eine persönliche Verbindung zu Krebs oder Blutkrebs?

Ich habe in meinem Leben einige Verbindungen zu Krebs gehabt. Mein Vater starb recht jung, er war erst 69 Jahre alt. Davor gab es weitere Menschen. Da war beispielsweise der Pfarrer meiner Kirche, der im Alter von 40 Jahren starb. Und dann war da Pete King, der Schlagzeuger von After The Fire. Er war das Küken unserer Band und starb mit 29 Jahren, das war so ein schrecklicher Schock. Einige Leute in Deutschland kennen Pete, weil er für BAP in Deutschland Schlagzeug gespielt hat. Es war verheerend. Ich kann nicht sagen, dass ich mich erholt habe, wir kannten die Familie gut, ich stand in Kontakt mit seinem Bruder, und es ist immer noch herzzerreißend für mich.

Was wünschst du Marion?

Ich wünsche ihr nur das Beste, hoffe, dass sie weiterhin ihr Lächeln behält. Sie ist ein wunderbarer Mensch. Und vielen Dank, dass sie sich mit mir in Verbindung gesetzt hat. Denn ohne sie wüsste ich gar nichts von dem Video. Danke dafür!

Wie lautet dein Appell an die Menschen?

Was die Zukunft anbelangt, so sollten wir, wenn wir es aus der Coronavirus-Pandemie herausgeschafft haben, versuchen, eine fürsorglichere Gesellschaft zu sein. Wir sollten großzügiger sein, wir sollten nachdenklicher sein, wir sollten bereit sein, zuzuhören, statt uns mit Themen zu beschäftigen, die nur für uns wichtig sind. Vor allem sollten wir uns auch um den Planeten und die Umwelt kümmern.

Lieber Peter, vielen Dank für das Interview – stay safe!

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