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5. April 2020, News in Spender & Patienten

„Es ist für jeden machbar, zwei, drei Wochen zu Hause zu bleiben“

Transplantierter Blutkrebspatient über seine Gedanken und Herausforderungen in der aktuellen Situation

Abenteuerlustig, neugierig, willensstark. Das ist Lars, 26 Jahre alt und kurz vor seinem Masterabschluss im Bereich International Business. Viel gereist ist er in den letzten Jahren. Nach Brasilien, Kolumbien oder Portugal. Immer mit im Gepäck: Ein Ball, denn mit dem kommt man am besten mit den Einheimischen in Kontakt. Ein Schweizer Taschenmesser als Universaltool und ein gutes Buch. Doch neben dem Weltenbummler-Leben sind für Lars Chemotherapie und Isolation Alltag, 2018 erkrankte er an Blutkrebs. Eine Stammzelltransplantation ermöglichte ihm im März 2019 eine neue Lebenschance. Jetzt, in Zeiten der Coronakrise, muss er als Risikopatient besonders auf sich aufpassen – und ist auf die Rücksicht aller angewiesen. Im Gespräch mit der DKMS berichtet Lars über seine Krankheit, seine Zeit in der Isolation und seine Gedanken zum gesellschaftlichen Verhalten in der aktuellen Coronakrise.

Lars, letztes Jahr um diese Zeit wurden dir Stammzellen transplantiert. Wie geht es dir heute mit deiner Erkrankung?

2013 wurden bei mir zwei schwere Autoimmunerkrankungen festgestellt. Fast sechs Jahre später kam dann noch die Diagnose Blutkrebs. Nach diversen Therapien habe ich durch eine Stammzellspende letztes Jahr eine neue Lebenschance erhalten. Aktuell geht es mir relativ gut und ich bin sehr happy mit dem bisherigen Heilungsverlauf. Aber mein Immunsystem ist noch geschwächt, weil ich nach der Stammzelltransplantation mit Abstoßungsreaktionen zu kämpfen hatte und sich dadurch die Regeneration des Knochenmarks verzögert hat. Weil mein Immunsystem geschwächt ist, gehöre ich zur Corona-Risikogruppe. Auch eine gewöhnliche Grippewelle oder die jährlichen Erkältungszeiten sind für mich gefährlich. Der Unterschied jetzt: deutlich mehr Menschen erkranken an dem Virus. Deshalb befinde ich mich momentan in Quarantäne. Gerade bin ich erst eine Woche zuhause. Das geht noch, denn letztes Jahr lag ich nach meiner Transplantation sieben Wochen komplett isoliert im Krankenhaus. Aktuell kann man ja immerhin noch zu später Stunde rausgehen.

Was tust du, wenn der Wohnungskoller kommt?

Einsamkeit ist Gift. Das kann man nicht anders sagen. Ich habe das Glück, dass ich mit meiner Freundin zusammenwohne und wir uns gegenseitig haben. So richtig viel bewegt man sich in Quarantäne nicht, deshalb versuche ich Alternativen in der Wohnung zu finden.  Ansonsten telefoniere ich häufig mit meinen Freunden, oft auch per Videotelefonie, um eine einigermaßen normale soziale Interaktion zu haben. Das kenne ich schon von meinen Krankenhausaufenthalten.

Als du im Krankenhaus warst, wurdest du ständig intensivmedizinisch von Ärzten und Krankenpflegern betreut. Was bedeutet die aktuelle Situation für das Pflegepersonal?

Patienten wie ich müssen weiterhin regelmäßig kontrolliert werden. Für mich heißt das: Alle zwei Wochen gehe ich in die Uniklinik, wo ich Immunglobuline bekomme, die das Immunsystem stärken und lasse mein Blut kontrollieren. Das heißt, es gibt bestimmte Krankenhausbereiche, die dauerhaft intensivmedizinisch Betreuung anbieten müssen. Wenn jetzt durch den Sars-COV-2-Virus potentiell hunderte oder tausende zusätzliche Patienten plötzlich auf intensivmedizinische Betreuung angewiesen sind, steigt der Druck auf das Pflegepersonal immens, die müssen täglich unglaublich viel leisten. Krankenpfleger und Ärzte sind unverzichtbar, deshalb kann man immer nur danke sagen. Die geringe Wertschätzung in vielerlei Hinsicht für diese Berufe, ich mir leider schon häufig aufgefallen. Ich hoffe das ändert sich jetzt endlich. An alle anderen appeliere ich: Bleibt zuhause, wenn ihr könnt!

Warum sollten auch Personen, die nicht zur Risikogruppe gehören, zuhause bleiben und soziale Interaktionen vermeiden?

Woran viele nicht denken: auch wenn man nicht selbst zur Risikogruppe gehört, ist man indirekt genauso betroffen. Wer jetzt vor die Tür geht und zum Beispiel einen Unfall hat, den trifft die potentielle Unterversorgung in den Krankenhäusern genauso wie Patienten, die einen Herzinfarkt oder eben an COVID-19 erkranken und zur Risikogruppe gehören. Ich wünsche mir einfach, dass die Leute zuhause bleiben und so wenig soziale Kontakte wie möglich haben. Es ist machbar, zwei oder drei Wochen zuhause zu verbringen und nur die lebensnotwendigen Wege zum Supermarkt, Apotheke, Arzt etc. zu gehen. Das ist wichtig, damit Personen, die auf intensivmedizinische Betreuung angewiesen sind, diese auch bekommen können – und das Infektionsrisiko nicht unnötig vergrößert wird. Die Bevölkerung muss einfach wissen, dass es gerade jetzt auf jeden Einzelnen ankommt und jeder Einzelne Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen muss.

Vielen Dank für das Interview!

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