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7. Februar 2020, News in Medizin & Forschung

„Stipendien unterstützen Forschung in Nischenbereichen“

11. Februar ist Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Dr. Katarina Riesner ist Stipendiatin der Mechtild Harf Grants 2019 (jetzt John Hansen Research Grant), die von der DKMS Stiftung Leben Spenden vergeben werden. Sie forscht an der Berliner Charité im Bereich der Stammzelltransplantation. Die engagierte Wissenschaftlerin ist überzeugt: Forschung braucht Vielfalt und Wettbewerb.

Frau Dr. Riesner, woran forschen Sie im Moment?

Mein aktuelles Forschungsgebiet ist die allogene Stammzelltransplantation, die für viele Blutkrebspatienten die einzige Chance auf Heilung darstellt. Dabei werden Blut- oder Knochenmarkstammzellen eines unverwandten Spenders übertragen. Siedeln sich die Stammzellen im Körper des Patienten erfolgreich an, dann bilden sie ein neues blutbildendes System. Dank Stammzellspenderdateien wie der DKMS finden heutzutage etwa neun von zehn Patienten einen passenden Stammzellspender. Doch immer noch verstirbt nach der Transplantation etwa die Hälfte der Empfänger. Ein häufiger Grund ist die gefürchtete Graft-versus-Host-Disease (GvHD), bei der es im Körper des Patienten zu Abstoßungs- und Entzündungsreaktionen kommt. Wie diese Krankheit entsteht und wie man sie verhindern kann, ist noch nicht vollständig geklärt. Ich suche nach Antworten und konzentriere mich dabei auf die Rolle der Endothelzellen. Das sind spezialisierte Zellen, die die Innenseite der Blutgefäße auskleiden. Schon seit Ende der 1960er Jahre weiß man, dass sie bei GvHD-Patienten beschädigt sind, doch man hat diesen Forschungsansatz bisher kaum weiterverfolgt.

Wie kommt es, dass dieser Bereich bisher so wenig erforscht wurde?

Die Therapie durch allogene Stammzelltransplantation ist ein sehr spezifischer Nischenbereich, in dem sich Pharmaunternehmen mangels Wirtschaftlichkeit nur mäßig engagieren. Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, im Mai 2018 ein Stipendium der DKMS Stiftung Leben Spenden in Höhe von 240.000 Euro erhalten zu haben. Damit konnte ich unter anderem eine Doktorandin finanzieren sowie notwendige Arbeitsmittel, die relativ teuer sind. Die DKMS ist ja vor allem als Stammzellspenderdatei bekannt, sie setzt sich darüber hinaus auch für die Wissenschaft im Kampf gegen Blutkrebs ein. Diese Art der Förderung, ist sehr wichtig, denn auch in der Biomedizin müssen Monopole vermieden werden. Ansonsten werden wir irgendwann den Patienten und ihren individuellen Erkrankungen nicht mehr gerecht.

Was haben Sie mithilfe des DKMS-Stipendiums bereits herausgefunden, und was erhoffen Sie sich von dem Ergebnis?

Wir haben die Endothelzellen im Kontext der Stammzelltransplantation sehr genau untersucht und festgestellt, dass sie im Falle einer GvHD eine deutlich stärkere Ausprägung bestimmter Gene und Proteine aufweisen. Jetzt schauen wir uns an, was passiert, wenn wir diese Proteine und Gene auf den Endothelzellen herunterregulieren. Möglicherweise können Abstoßungs- und Entzündungsreaktionen dadurch verhindert werden. Ist das der Fall, stehen wir vielleicht kurz vor der Entwicklung neuer Medikamente, mit denen wir die GvHD wirksam bekämpfen können.

Sie arbeiten nahe an der klinischen Praxis. Wie wichtig ist es Ihnen, mit Ihrer Forschung die Medizin voranzubringen und Patienten ganz konkret helfen zu können?

Ich empfinde das als enorme Motivation und als höchst inspirierend. Es ist schon ein Unterschied, ob man forscht, um erfolgreich zu publizieren oder um Menschenleben zu retten. Das war für mich einer der Hauptgründe, in diesen Bereich zu gehen.

Wussten Sie schon immer, wohin es beruflich für Sie gehen soll?

Nach dem Abitur konnte ich mich zuerst nicht entscheiden, ob ich in die Forschung oder in den französischen Diplomatendienst gehen soll (lacht). Schon immer wollte ich über das Vordergründige hinausschauen und die Hintergründe, das Tieferliegende verstehen. Studiert habe ich schließlich Molekulare Biomedizin in Bonn – von Anfang an mit dem direkten Bezug zur klinischen Anwendung. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn ich bin davon überzeugt: Diese Art der biomedizinischen Forschung ist die Zukunft!

Und welche beruflichen Ziele verfolgen Sie heute?

Ich kann mir gut vorstellen, Professorin zu werden, weil ich mein Wissen gerne weitergebe. Es macht mir Freude zu gestalten und zu bewegen, junge Menschen zu motivieren und meine Begeisterung für die Forschung mit anderen zu teilen.

Weniger als ein Drittel der Lehrstuhlinhaber an deutschen Hochschulen ist weiblich (Quelle: Statista, Stand 2018). Haben Sie den Eindruck, als Wissenschaftlerin mehr leisten zu müssen als Ihre männlichen Kollegen, um berufliche Anerkennung zu bekommen?

Ich selbst habe diese Erfahrung in meinem Arbeitsalltag bisher nicht gemacht. In unserem Team geht es ums Ergebnis, und dafür ist nicht das Geschlecht relevant, sondern genaues, valides und kooperatives Arbeiten in einem motivierenden Umfeld. Darüber bin ich sehr froh. Aber ich verstehe natürlich trotzdem das Problem. Gerade Führungspositionen werden nach wie vor häufiger von Männern besetzt, und die Zahlen sprechen ja für sich. Ich wünsche mir, dass diese Schieflage irgendwann gar nicht mehr thematisiert werden muss – denn erst dann wird es selbstverständlich sein, dass Frauen genauso erfolgreich und genauso zahlreich in der Wissenschaft arbeiten wie Männer.

Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Gründe für die – wie Sie es nennen – „Schieflage“?

Ich denke, das ist vor allem ein gesellschaftliches Problem. In vielen Familien ist es noch immer so, dass ein Partner mehr verdient – meistens der Mann – und die Frau dann zurücksteckt oder sogar einige Jahre lang zu Hause bleibt. Das war für mich nie eine Option, denn in meinen Augen ist kein Beruf wichtiger als der andere. Wenn beide Partner ihren Beruf schätzen und lieben, dann müssen auch beide Tätigkeiten denselben Stellenwert haben. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass mein Mann und ich gleich mehrfach privilegiert sind: Unsere Eltern wohnen in der Nähe und helfen uns gerne und viel. Mein Mann ist von seinem Beruf genauso begeistert wie ich von meinem, und so können wir gegenseitig viel Verständnis füreinander aufbringen – zum Beispiel dann, wenn man doch mal eine Abend- und Nachschicht einlegen muss, weil den ganzen Tag über mit Kind und Kegel zu viel los war. Die Forschung verlangt zwar viel Flexibilität von uns, aber sie macht in punkto Arbeitszeitgestaltung auch vieles möglich. Insofern bietet die wissenschaftliche Arbeit viele Chancen für beide Geschlechter.

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