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2. Februar 2020, News in Medizin & Forschung

Weltkrebstag: Sport macht auch die Stammzellen mobil

Vom Blutkrebspatienten zum Marathonläufer - wie der Sport Markus Gerlach geholfen hat

Am 4. Februar 2020 findet der Weltkrebstag statt. Das Motto in diesem Jahr: „Ich bin und ich werde“. Markus Gerlach war Blutkrebspatient – und ist fünf Jahre nach seiner Stammzelltransplantation zum Marathonläufer geworden. „Der Sport hat mir dabei geholfen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt er heute. Dass Sporttherapie zum Erfolg einer Stammzelltransplantation beitragen kann, belegen auch Studien der Deutschen Sporthochschule Köln.

Sport ist gesund, aber wer krank ist, muss sich schonen – das war lange Zeit allgemeiner Konsens. Blutkrebspatienten verordnete man ausschließlich Ruhe, ganz besonders dann, wenn sie sich in einer akuten Krankheitsphase befanden. „Man hatte große Angst davor, Krebspatienten zusätzlich zu belasten, denn sie sind ja ohnehin schon körperlich und seelisch stark herausgefordert“, erklärt Prof. Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Doch seit einigen Jahren belegen wissenschaftliche Studien: Von einem angepassten, sanften Training könnten viele Leukämiepatienten profitieren. „Ruhe ist für Leukämiepatienten nach unserem heutigen Kenntnisstand immer noch gut und sehr wichtig“, so Bloch. „Aber inzwischen wissen wir eben auch, dass eine gewisse körperliche Belastung notwendig ist, damit im Körper bestimmte Umwandlungs- und Umbauvorgänge in Gang gesetzt werden.“ Der Sportmediziner und sein Team erforschen derzeit, auf welche Weise Sport sogar kurz vor und nach einer Stammzelltransplantation hilfreich sein kann.

Selbstwirksamkeit statt Passivität

Markus Gerlach, der im Jahr 2008 an Blutkrebs erkrankte, ist von der therapeutischen Wirkung des Sports überzeugt. Er kämpfte sich buchstäblich Schritt für Schritt ins Leben zurück. Heute läuft er Marathon, zuletzt in Kapstadt in einer Zeit von vier Stunden und 50 Minuten. Schon vor seiner Erkrankung trainierte der Feuerwehrmann drei Mal pro Woche, um für seinen Beruf fit zu bleiben. Mit 28 Jahren erhielt er dann die Schockdiagnose Leukämie. Der junge, sportliche Mann, der am Tag zuvor noch 15 Kilometer gelaufen war, verbrachte von heute auf morgen die meiste Zeit im Krankenhaus. „Da ich anfangs kaum Symptome hatte, habe ich dort auf eigene Initiative, so oft es ging, den Physiotherapieraum genutzt“, erinnert sich der 39-Jährige Remscheider. „Das hat mir geholfen, seelisch stark zu bleiben und mich nicht unterkriegen zu lassen.“ Wie positiv sich Sport auf die Psyche auswirkt, haben auch Bloch und sein Forscherteam beobachtet. „Erwiesen ist, dass Sport die Neigung zu Depressionen verringert und dass die Patienten sich insgesamt besser fühlen“, so der Sportmediziner. „Der Patient, der in seiner Therapie sehr stark auf die Expertise anderer angewiesen und gewissermaßen zur Passivität verdammt ist, ist beim Sport wieder aktiv und selbstwirksam.“

Sport ebnet Zellen den Weg durch den Körper

Eine Krebstherapie greift massiv in den Körper des Patienten ein und ist eine starke Belastung. Wird eine Stammzelltransplantation notwendig, muss das Immunsystem des Patienten zuvor in einer Chemotherapie vollständig zerstört werden, damit der Empfänger mithilfe der Stammzellen des Spenders ein vollständig neues, gesundes Immunsystem aufbauen kann. „Während dieser Zeit fühlte ich mich so schwach und krank, dass ich an Bewegung nicht einmal denken wollte“, sagt Markus Gerlach. Dennoch motivierten ihn Ärzte und Pflegepersonal immer wieder dazu, sich aufs Fahrradergometer zu setzen – „um die Lungenfunktion zu erhalten“, erinnert er sich. Heute weiß man, dass Markus Gerlach dabei möglicherweise von weiteren positiven Effekten profitierte. „Treibt der Patient Sport, wird die Durchlässigkeit seiner Gefäße gefördert, und die Beweglichkeit der Zellen nimmt zu“, erklärt Bloch. „Wir nehmen an, dass Sport auf diese Weise die Mobilität der Stammzellen unterstützt und den Aufbau eines neuen Immunsystems fördert. Darüber hinaus konnten Studien belegen, dass Sport therapiebegleitend die Immunabwehr stärkt.

Schritt für Schritt zum New York Marathon

Markus Gerlach kämpfte viele Monate um sein Leben und musste eine lange Zeit der Regeneration erdulden. „Ich war körperlich so schwach, dass ich kaum drei Schritte gehen konnte“, erinnert sich der heutige Marathonläufer. Doch er ließ sich nicht entmutigen. „Ich wollte unbedingt wieder laufen und zurück in meinen Beruf als Feuerwehrmann.“ Langsam ging es voran: Nach 30 Metern laufen folgten 50 Meter und darauf der erste Spaziergang. 2014 dann, fünf Jahre nach seiner Stammzelltransplantation, lief Markus Gerlach den New York Marathon. „Der Sport hat mir wirklich dabei geholfen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt er heute.

Welches und wie viel Training für Krebspatienten am besten ist, wollen Bloch und sein Team in den nächsten Jahren weiter erforschen. „Sport ist ein Stimulus, der wie ein Polymedikament wirkt“, sagt der Wissenschaftler. Um die verschiedenen Einzelwirkungen gezielt nutzen zu können, müsse man die Dosis-Wirkungs-Beziehungen allerdings sehr genau kennen. „Unser Ziel ist es, das Potenzial der Sporttherapie in der Prähabilitation, in der unterstützenden Therapie und in der Rehabilitation voll auszuschöpfen.

Stammzellspender werden

Alle 15 Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die schockierende Diagnose Blutkrebs. Viele Blutkrebspatienten benötigen eine Stammzelltransplantation, um zu überleben, und sind auf einen geeigneten Stammzellspender angewiesen. Wer sich als potenzieller Stammzellspender registrieren lässt, kann die Überlebens- und Heilungschancen von Blutkrebspatienten verbessern – zum Beispiel unter www.dkms.de.

Das Hintergrund-Interview mit Prof. Wilhelm Bloch lesen Sie hier!

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