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9. November 2021, News in Medizin & Forschung

DKMS Forscher kämpfen gegen Graft-versus-Host-Disease

Ihr Ziel ist es, gefährliche Abstoßungsreaktionen nach einer Stammzelltransplantation zu verhindern.

Weltweit sind jährlich etwa 70.000 Menschen auf die Übertragung von Stammzellen einer fremden Spenderin oder eines fremden Spenders angewiesen. Zwischen 30 und 50 Prozent der transplantierten Patient:innen erkranken anschließend an der Graft-versus-Host-Disease (GvHD), einer gefährlichen immunologischen Abstoßungsreaktion. Wie lässt sich das GvHD-Risiko für die Patient:innen schon bei der Spenderauswahl minimieren? Das erforschen Wissenschaftler:innen der gemeinnützigen Stammzellspenderdatei DKMS.

Der 29-jährige Sören hat gerade eine Stelle als Informatiker im öffentlichen Dienst angetreten, als plötzlich nichts mehr so ist wie zuvor: Er hat Blutkrebs. Nur eine Stammzellspende kann sein Leben retten. Als ein passender Spender gefunden ist, ist Sören zunächst voller Hoffnung. Im Juli 2018 wird er transplantiert und seine Genesung scheint auf einem guten Weg. Dann verschlechtert sich sein Zustand dramatisch. Sören leidet an der gefürchteten Graft-versus-Host-Disease. Was dann folgte, ist ihm immer noch sehr präsent: „Ich hatte die heftigsten Abstoßungsreaktionen. Abgesehen von extremen Schmerzen lösten sich meine Schleimhäute auf, mir floss das Blut aus dem Mund, ich wurde künstlich ernährt, ich sah aus wie der Tod auf zwei Beinen.

Die Graft-versus-Host-Disease (Transplantat-Gegen-Wirt-Krankheit) kann nach einer allogenen Stammzelltransplantation auftreten. Jedes Transplantat beinhaltet neben den eigentlichen Stammzellen auch Immunzellen der Spenderin oder des Spenders. Während sich die gespendeten Stammzellen im Knochenmark der Patient:innen ansiedeln und ein neues, gesundes Immunsystem aufbauen, wandern die fremden Immunzellen nach der Transplantation durch den Körper der Empfängerin oder des Empfängers. Im Idealfall vernichten sie dabei Krebszellen und verhindern, dass die Krebserkrankung zurückkehrt. Greifen die Immunzellen der Spenderin oder des Spenders aber die gesunden Zellen der Patientin oder des Patienten an, weil sie diese als fremd erkennen, kommt es zur Graft-versus-Host-Disease. Deshalb ist es so wichtig, dass die HLA-Merkmale von Patient:in und Spender:in möglichst genau übereinstimmen: Je passender das „Match“, desto wahrscheinlicher erkennen die transplantierten Immunzellen der Spenderin oder des Spenders die Zellen der Empfängerin oder des Empfängers als körpereigenes „Material“ an.

Sören hat den wochenlangen Kampf gegen die Graft-versus-Host-Disease gewonnen. Heute ist er wieder, wie er selbst sagt, „körperlich topfit“ und hat 95 Prozent seiner Leistungsfähigkeit zurück. Doch ihm ist bewusst, dass es auch anders hätte ausgehen können. Einen guten Freund, den er damals im Krankenhaus kennen lernte, hat er vor Kurzem an die Graft-versus-Host-Disease verloren.

„Solange Menschen an der Graft-versus-Host Disease sterben, reicht unser Auftrag weit über die Registrierung neuer Stammzellspenderinnen und -spender hinaus: Wir müssen und wollen das Ergebnis von Stammzelltransplantationen, unter anderem durch eine verbesserte Auswahl von Spenderinnen und Spendern, optimieren“, sagt Dr. Alexander Schmidt, Chief Medical Officer der DKMS. „Als weltweit größte Stammzellspenderdatei sehen wir die Wissenschaft als wichtigen Teil unserer Mission – denn unser Ziel ist es, die Überlebens- und Heilungschancen von Blutkrebspatient:innen stetig zu verbessern.

Dies geschieht insbesondere in der Clinical Trials Unit, der DKMS-eigenen Forschungseinheit in Dresden. Hochqualifizierte Forscherteams arbeiten hier eng mit ihren Kolleg:innen im DKMS Life Science Lab. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem perfekten „Match“. „Bei der Spenderauswahl sind nach aktuellem Kenntnisstand vor allem die sogenannten HLA-Merkmale relevant, aber zum Beispiel auch der Status des Cytomegalievirus oder das Alter des Spenders“, erklärt Prof. Dr. Johannes Schetelig, Leiter der Clinical Trials Unit. „Wir suchen unermüdlich nach weiteren Kriterien, die für das perfekte Match von Patient:in und Spender:in relevant sein könnten – damit die Graft-versus-Host-Disease und andere schwerwiegende Komplikationen irgendwann keine Chance mehr haben.“

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Collaborative Biobank (CoBi), die die DKMS gemeinsam mit vielen weiteren Kooperationspartnern – darunter die Charité Universitätsmedizin Berlin und andere Universitätskliniken – aufgebaut hat. Zu den aktuellen DKMS-Studien, bei denen die CoBi zum Einsatz kommt, gehört die „Candidate Gene Study“. Sie hat zum Ziel, genetische Varianten innerhalb von Immunantwort-Genen im Spendergenom ausfindig zu machen, die das Risiko einer GvHD beeinflussen könnten. Finden die Forscher:innen heraus, dass die Transplantate von Spender:innen mit bestimmten genetischen Varianten deutlich seltener zu schweren GvHD-Verläufen bei Patient:innen führen, könnten diese genetischen Merkmale künftig weitere Kriterien für eine optimale Spenderauswahl sein.

Zunächst wertete das Forscherteam mehr als 200 schon vorhandene Studien anderer Forschergruppen aus, um die vielversprechendsten Varianten („Kandidaten“) herauszufiltern. Dann identifizierten die Wissenschaftler:innen diejenigen in der CoBi gelagerten Spenderproben, die diese vielversprechenden genetischen Varianten aufwiesen. Im nächsten Schritt wollen sie herausfinden, ob die genetischen Varianten mit den individuellen Krankheitsverläufen der Empfänger:innen zusammenhängen. Ausführliche Informationen zu den Studien der DKMS bietet die DKMS Professionals‘ Platform professional.dkms.org.

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