In die Fußstapfen des besten Freundes
In die Fußstapfen des besten Freundes
Als der damals 17-jährige Nico miterlebt, wie sein Freund Jakob Stammzellen spendet, wird ihm bewusst, wie viel eine einzelne Entscheidung bewirken kann. Beeindruckt von seinem Engagement registriert er sich selbst bei der DKMS – ein einfacher Schritt, der ein Jahr später große Bedeutung bekommt: Auch Nico wird als potenzieller Spender angefragt. Gemeinsam zeigen die beiden jungen Männer aus dem bayerischen Ipsheim, wie stark Freundschaft, Verantwortung und Solidarität motivieren können. Wir rücken diese ganz besondere Geschichte zum „Internationalen Tag der Freundschaft“ in den Fokus.
Schon früh war für Nico Bauereiß (20) klar, dass er sich registrieren möchte. Den entscheidenden Impuls dazu gab ihm sein Freund Jakob Unger, der bereits registriert war und mit seiner Spende eine Lebenschance schenken konnte.
„Ich habe alles mitverfolgt, er hat mir viel erklärt – und ich fand es unglaublich wichtig“, erinnert sich Nico. Die Registrierung sei unkompliziert gewesen: „Stäbchen benutzen, in den Rückumschlag stecken – und ab in den Briefkasten.“ Jakob wiederum freut sich bis heute über Nicos Entscheidung. „Für mich war meine eigene Spende selbstverständlich. Und als ich hörte, dass Nico sich registriert hat, hat mich das richtig stolz gemacht“, sagt der 27-Jährige. „Im Entnahmezentrum fühlte ich mich damals rundum gut betreut. Ich würde es jederzeit wieder tun.“
Die Beiden, die sich schon seit ihrer Kindheit kennen, da sie im gleichen Dorf aufgewachsen sind verbindet vieles, was ihre Freundschaft stark macht – etwa die Begeisterung für die Landwirtschaft und ihre Hilfsbereitschaft.
Bewusstsein, Verantwortung – und die Chance, Leben zu retten
Ein Jahr nach seiner Registrierung erhält Nico – ausgebildeter Bierbrauer und bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv – die Nachricht, dass er als Spender infrage kommt. Der Moment bleibt ihm im Gedächtnis. Er erinnert sich, wie er sofort Jakob eine WhatsApp schrieb und wie wertvoll dessen Erfahrungen für ihn waren. In dieser Phase wird ihm noch einmal klar, was die Anfrage bedeutet – es hängt ein Menschenleben daran. Trotz der Aufregung überwiegt bei ihm das Gefühl, Verantwortung zu übernehmen und helfen zu können. Auch Jakob denkt an seine eigene Spende zurück. Die Vorstellung, dass am anderen Ende ein Mensch in großer Not auf Hilfe wartet – und dass eine einzige Spende Hoffnung schenken kann, war für ihn in dieser Zeit sehr präsent.
Ein Team – auch bei der Spende
Während Nico die medizinischen Voruntersuchungen durchläuft, erfährt er viel Unterstützung aus seinem Umfeld. „Alle haben super positiv reagiert. Das hat mich total bestärkt. Und ich hoffe, dass ich einige zur Registrierung motivieren konnte“, sagt er. Die Spende im Dresdener DKMS Collection Center erfolgt peripher – also ambulant über das Blut. Auch Jakob hatte zuvor auf diesem Weg in Nürnberg Stammzellen gespendet. Für ihn ist es selbstverständlich, seinen Freund nach Dresden zu begleiten: „Dass ich bei der Spende dabei war, hat alles noch bedeutungsvoller gemacht. Es war eine besondere Situation für uns beide.“
Beide würden gern erfahren, wem sie geholfen haben. Doch bis ein persönliches Kennenlernen nach einer erfolgreichen Stammzelltransplantation möglich ist, müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Vor dem ersten Zusammentreffen gilt eine Anonymitätsfrist. In den meisten Ländern – darunter auch Deutschland – beträgt diese zwei Jahre. Ein direkter Kontakt zwischen Spender:in und Patient:in ist also frühestens zwei Jahre nach der ersten Transplantation erlaubt. Bei Jakob, der als arbeitet, endet diese Frist bald. „Wenn der Patient Kontaktdaten austauschen möchte, würde ich mich sehr freuen – vor allem natürlich über ein persönliches Treffen“, sagt er. Und klar: Nico wäre selbstverständlich an seiner Seite.
Warum dieses Engagement so wichtig ist
Alle zwölf Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs, weltweit sogar alle 27 Sekunden. Und obwohl mehr als 13 Millionen potenzielle Spender:innen bei der DKMS registriert sind, finden viele Betroffene noch immer kein passendes Match – die Kombination der Gewebemerkmale ist hochkomplex und sehr individuell.
Warum junge Menschen eine Schlüsselrolle spielen
Die demografische Veränderung in Deutschland macht sich immer stärker in unserer Datenbank bemerkbar. So gab es im Jahr 2025 rund 300.000 Neuregistrierungen, rund 150.000 Menschen sind im gleichen Zeitraum altersbedingt aus der Datei ausgeschieden. Jede neue Registrierung ist daher bedeutender denn je – und der Bedarf wächst weiter: Schon 2026 rechnet die DKMS mit rund 160.000 Personen, die aufgrund ihres Alters nicht länger in der Datei geführt werden können.
Eine besonders wichtige Rolle übernehmen junge Menschen – so, wie Nico und Jakob. Spender:innen zwischen 17 und 30 Jahren werden von Transplantationszentren am häufigsten angefragt, weil ihre Stammzellen als besonders vital gelten und damit bessere Heilungschancen bieten.
Registrieren kann sich jede gesunde Person zwischen 17 und 55 Jahren, spenden zwischen 18 und 61 Jahren – und die Registrierung ist jederzeit online unter www.dkms.de möglich. Nico möchte mit seiner Entscheidung nun auch andere motivieren: „Man verliert nichts – im Gegenteil: Es fühlt sich gut an zu wissen, dass man etwas Bedeutendes getan hat.“ Und Jakob ergänzt mit einem klaren Appell: „Helfen sollte selbstverständlich sein. Wenn junge Menschen sehen, wie einfach das geht, machen hoffentlich noch mehr mit – also registriert euch. Es geht darum, Leben zu retten.“










