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8. April 2020, News in Spender & Patienten

Bewegender Appell von der Isolierstation

Blutkrebspatientin bittet die Menschen um Solidarität gerade in Coronazeiten

Marion ist an einer akuten Form von Blutkrebs erkrankt und hat vor einigen Wochen eine Stammzelltransplantation erhalten. Aktuell ist die 45-Jährige aus Großbottwar in der Klinik und ihr Leben findet in einem nur wenige Quadratmeter großen Isolierzimmer statt. Besonders herbeigesehnt hatte die Zwillingsmutter eigentlich ihre Rückkehr nach Hause – vor der sie in Zeiten der Coronakrise aber auch große Angst hat. Denn sie muss als Patientin besonders auf sich aufpassen – und ist auf die Solidarität der Menschen angewiesen. Darüber berichtet sie auch in einer bewegenden Videobotschaft und erzählt im Gespräch mit der DKMS, was sie sich für die Zukunft wünscht.

Vor knapp neun Monaten veränderte sich das Leben von Marion Kremer aus Großbottwar in Baden-Württemberg von jetzt auf gleich: Die Mutter von Zwillingen (heute acht Jahre) erhielt die Diagnose Leukämie und schon bald war klar, dass sie auf eine Stammzelltransplantation angewiesen ist. Jetzt, wo es ihr besser geht, ist es der 45-Jährigen wichtig geworden, sich auch für andere einzusetzen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und ihnen dadurch Hoffnung zu schenken. Und so entstand die Idee, die Menschen auf die Arbeit der DKMS aufmerksam zu machen.

Im November 2019 erhielt Marion zunächst eine autologe Stammzellspende – eine Transplantation mit eigenen Stammzellen. Ende Februar 2020 wurde sie dann erneut transplantiert, diesmal „allogen“, also mit den Stammzellen eines Fremdspenders. Diese fremden Zellen würden ohne Unterdrückung des Immunsystems vom Empfänger abgestoßen. Durch eine hoch dosierte Chemotherapie, gegebenenfalls in Kombination mit einer Ganzkörperbestrahlung, werden zunächst die bösartigen Tumorzellen zerstört, zum anderen aber auch die eigenen Stammzellen des Patienten weitestgehend ausgeschaltet.

Nach einer solchen Hochdosis-Chemotherapie wäre der Patient ohne Gabe von (fremden) Stammzellen nicht mehr überlebensfähig, da er ohne funktionierendes Knochenmark keine eigenen Blutkörperchen und -plättchen mehr produzieren könnte. Selbst Bluttransfusionen würden nur bedingt helfen, da sich nur die Erythrozyten (rote Blutkörperchen, zuständig für den Sauerstofftransport) und die Thrombozyten (Blutplättchen, zuständig für die Blutgerinnung) „ohne weiteres“ ersetzen lassen. Nicht aber die so lebenswichtigen Leukozyten, die das Immunsystem des Menschen ausmachen und die durch die entscheidende (Fremd-)Spende erfolgt. Hier müssen zahlreiche genetische und weitere Marker übereinstimmen, damit gespendete Zellen und der Körper des Empfängers „zueinander passen“ und das macht die Suche nach passenden Spendern zu einer solchen Herausforderung. Im Anschluss an die Transplantation ist die Gabe von Medikamenten zur Unterdrückung der Immunabwehr nötig, um eine Abstoßungsreaktion (GvHD) zu vermeiden.

Auf die Frage hin, wie ihre Reaktion war, als sie erfahren hat, dass es einen passenden Stammzellspender für sie gibt, meinte Marion: „Nach den Strapazen der autologen Transplantation hatte ich gehofft, um eine zweite Transplantation herum zu kommen. Ich war also ziemlich undankbar und nicht sonderlich erfreut! Hinzu kommt bei mir ein starker Glaube an Gott und ich hatte wohl auch von ihm erhofft, dass er mir durch ein entsprechendes Wunder die nächste Hochdosis-Chemotherapie mit all den Begleiterscheinungen ersparen würde. Da war ich wohl auch etwas enttäuscht“, berichtet Marion. „Jetzt danke ich Gott, dass mir jemand mit seiner Spende diese Chance geschenkt hat. Erst so langsam habe ich erkannt, was für ein Privileg es ist, ein komplett neues Immunsystem erhalten zu können und damit die echte und begründete Hoffnung, die Leukämie komplett – oder wenigstens für einen sehr langen Zeitraum – hinter mir lassen zu können.“

Die 45-Jährige schaut positiv in die Zukunft: „Mein Leben ist gut, so wie es ist! Es sind die kleinen Dinge, die ich schätzten gelernt habe und ich in meinem Alltag viel mehr schätzen möchte, wie, mehr echte Gesprächszeit mit meinem Mann verbringen, anstatt Filme auf Netflix zu schauen. Mehr Zeit spielend mit meinen Kindern zu verbringen, anstatt sich um den Haushalt zu kümmern. Ich will bewusster, achtsamer und dankbarer leben!“

Für Menschen, die noch unentschlossen sind, Stammzellspender zu werden – auch in Zeiten von Corona – hat sie eine Botschaft. „Ich kann Eure Sorge verstehen. Die Apherese, also die Stammzellernte, ist ‚anstrengend‘. Anstrengend in der Hinsicht, dass man sehr lange sehr still liegen bzw. sitzen muss, dabei aber nicht einschlafen darf. Und es sind mehrere Stunden zuzüglich der Voruntersuchungen, Spritzen zum Ausschwemmen der Stammzellen ins Blut und der möglichen Anreise zum Entnahmezentrum. Und das Ganze jetzt noch unter erschwerten Bedingungen mit Corona.“

Marion DKMS
Marions Appell als Videobotschaft

https://www.facebook.com/DKMS.de/posts/10157391441337979

Und weiter: „Trotzdem, nachdem ich als Patientin endlich für mich persönlich verstanden hatte, was das bedeutet, dass ein mir völlig fremder Mensch bereit ist, all das auf sich zu nehmen, um mein Leben zu retten, habe ich gedacht: ‘Wie schade, dass ich das aufgrund meiner Vorerkrankung nicht auch machen kann. Gibt es denn etwas Größeres, Erhabeneres als das Wissen, ein Lebensretter zu sein? Lasst Euch registrieren!  Und seid Euch gewiss, nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Familien und Freunde werden Euch unheimlich dankbar sein für dieses große Geschenk.“

In den vergangenen sieben Wochen hat Marion eigentlich ihre Rückkehr aus der Klinik nach Hause herbeigesehnt. Der große Wunsch könnte in einigen Wochen endlich wahr werden. Doch in den Zeiten der Coronakrise hat sie davor auch große Angst. „Ich nehme Immunsuppressiva, mein Immunsystem ist noch sehr geschwächt und ich wäre – auch ohne Corona – schon stark gefährdet.“ Vor allem bereitet es ihr Sorgen, dass das Virus unwissentlich an sie herangetragen wird – etwa durch ihren Mann oder ihre Kinder. „Es kann jeden treffen – ich hätte es beispielsweise auch nicht für möglich gehalten, dass ich an Leukämie erkranke. Mein Appell lautet daher: Bitte haltet Euch an die Vorgaben der Behörden: Händewaschen, Abstand halten und nicht in Gruppen treffen. Dadurch kann jeder einen großen Beitrag leisten, Menschen wie mir zu helfen, aber auch, dass das Ärzte- und Pflegepersonal seine ausgezeichnete Arbeit bestmöglich durchführen kann.“

Nachtrag der Redaktion: Inzwischen ist Marion wieder glücklich in den Kreis ihrer Familie nach Hause zurückgekehrt. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Interviews, hatte sie ihren Mann und ihre Kinder wegen des Corona-bedingten Besuchsverbots in Baden-Württembergischen Krankenhäusern bereits zwei Wochen nicht mehr persönlich gesehen. Insgesamt waren sie ganze 19 Tage physisch voneinander getrennt.

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