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1. April 2019, News in Medizin & Forschung

Eine Investition in die Zukunft

DKMS Stiftung fördert vier Nachwuchswissenschaftlerinnen auf dem Feld der Blutkrebsforschung

Mit der Vergabe von Stipendien und Fördergeldern in Höhe von insgesamt rund einer Million Euro über einen Zeitraum von drei Jahren unterstützt die DKMS Stiftung Leben Spenden die internationale Blutkrebsforschung. In diesem Jahr fördert die Stiftung im Rahmen der DKMS Mechtild Harf Research Grants 2019 gleich vier Medizinerinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen - zwei aus Deutschland, zwei aus den USA - bei vielversprechenden Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Stammzelltransplantation.

Schwerpunkt ihrer Arbeiten ist vor allem die Verbesserung von Stammzelltransplantationen und den in diesem Zusammenhang immer noch auftretenden Komplikationen. Vor allem die Graft-versus-host Disease (GvHD) ist eine Komplikation mit hoher Mortalität und starken Beschwerden, die durch die Spenderzellen im Transplantat hervorgerufen werden, indem diese gesunde Zellen des Patienten als fremd erkennen und angreifen.

Im Rahmen der DKMS Mechtild Harf Research Grants 2019 ist Dr. rer. nat. Katarina Riesner  von der Charité- Universitätsmedizin Berlin, Bereich Hematology, Oncology and Tumor Immunology mit einem Stipendium für ihre Forschung bezüglich Mechanismen und therapeutischen Ziele von Endothelschäden bei GVHD ausgezeichnet worden.

Hintergrund ihrer Arbeit: Trotz Prophylaxe versterben viele Patienten an der akuten Spender-gegen-Wirt-Krankheit (GvhD), der häufigsten Komplikation nach Stammzelltransplantation. Die aktuellen GvhD-Therapieoptionen basieren trotz jahrelanger Forschung nach wie vor hauptsächlich auf T Zell-basierten Mechanismen und die Umsetzung alternativer und neuer therapeutischer Angriffspunkte wird benötigt. Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass es im Krankheitsverlauf der GvhD zur Schädigung von Endothelzellen (Zellen, die die innere Wand der Blutgefäße auskleiden) kommt. Dies stellt eine Rationale für Endothel-spezifische und schützende Therapien dar. In diesem Projekt werden Mechanismen der Endothelschädigung studiert und mögliche therapeutische Ziele am Endothel identifiziert. Besonders die Blockierung des Phosphodiesterase und Pentose Phosphat Signalwegs wird untersucht. Die Ergebnisse können zu einem besseren Verständnis der Endothelschädigung während der GvhD beitragen und präklinische Daten für die translationale Entwicklung neuer Therapieansätze der GvhD liefern.

Eine weitere neue Stipendiatin im Mechtild Harf Forschungsprogramm ist Dr. Natalie Köhler vom Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Innere Medizin I, die zum Thema „Defensine als potenzielle Behandlungsoption für akute Graft-versus-Host Disease“ forscht.

Ausgangslage ist auch hier, dass für viele Patienten mit Leukämie die allogene Stammzelltransplantation (Allo-SZT) die einzige potentiell kurative Therapieoption darstellt. Eine häufige und lebensbedrohliche Nebenwirkung  der  Allo-SZT ist aber die akute Graft-versus-Host Erkrankung (GvhD), bei der allogene Spenderzellen gesunde Gewebe des Empfängers als fremd erkennen und angreifen. Insbesondere die intestinale Darm-GvhD ist mit einer hohen Letalität und mit Defekten in der antimikrobiellen Barrierefunktion verbunden. Hier kommen die so genannten Defensine ins Spiel: Defensine sind körpereigene, antimikrobiell wirkende  Stoffe, die an der Immunabwehr von Keimen beteiligt sind und das intestinale Mikrobiom beeinflussen können. In Dr. Köhlers Projekt wird untersucht, ob die Produktion von Defensinen während der Entstehung der akuten GVHD gestört ist und ob die Behandlung mit Defensinen die akute GvhD abmildern oder verhindern kann. Darüber hinaus wird der Einfluss der Defensine auf die allogene Immunantwort und das Darm Mikrobiom nach  Allo-SZT erforscht. Langfristiges  Ziel der Studie ist es, die zugrundeliegenden Mechanismen aufzudecken und mit diesen Erkenntnissen den Grundstein für eine  neue Defensin-basierte Therapieoption für die akute GVHD zu legen.

Mit der Rolle des Mikrobioms bei einer chronischen GvHD und Immunrekonstitution nach einer Stammzelltransplantation beschäftigt sich Kate Ann Markey, MBBS, PhD vom MSKCC – Mortimer B. Zuckerman Research Center in New York/USA.

In diesem Forschungsprojekt soll der Einfluss von Magen-Darm-Bakterien (verschiedene Arten und deren Häufigkeit) auf den Krankheitsverlauf von Patienten nach einer allogenen Transplantation hämatopoetischer Stammzellen (SZT) untersucht werden. Ziel auch dieses Projektes ist es, der chronischen Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit vorzubeugen sowie deren Behandlung zu verbessern. Durch die Erkenntnisse, wie die Darmflora die GvHD-Entwicklung beeinflusst, könnten in Zukunft auf Mikrobiom gerichtete Therapien entwickelt werden. Der Einfluss des Mikrobioms auf die generelle Wiederherstellung des Immunsystems nach einer Stammzelltransplantation wird ebenfalls in diesem Projekt untersucht.

Mit Dr. May Daher und ihrem Forschungsprojekt „CIS checkpoint deletion in cord blood derived iC9.CAR19.IL-15-NK cells for the treatment of B-cell hematologic malignancies” vom MD Anderson Cancer Center der University of Texas in Houston/USA wird eine weitere junge Medizinerin gefördert, die bestimmte Immunzellen aus Nabelschnurblut modifiziert, um diese effektiver gegen Leukämiezellen anzuwenden. Ziel dieses Projekts ist es, universelle, sicherere und wirksamere neuartige Zelltherapieprodukte zur Behandlung von Blutkrebserkrankungen zu entwickeln.

Aufbauend auf der vielversprechenden CAR-T-Zelltherapie soll mit diesem Projekt ein neuartiges, universelles, sichereres und wirksameres Zelltherapieprodukt zur Behandlung von Blutkrebs entwickelt werden. Traditionelle CAR-T-Zellen basieren auf modifizierten T-Zellen, die mit einem „CAR“ ausgestattet sind, um sie gegen ein Molekül namens CD19 zu richten, welches bei einigen Arten der Leukämie auf der Oberfläche der Tumorzellen zu finden ist. Auf der anderen Seite gibt es im Immunsystem die sogenannten Natürlichen Killer (NK)-Zellen. Diese können sehr gut Tumorzellen erkennen und gegen diese vorgehen, ohne dass es zu einer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD) kommt. Für dieses Projekt werden aus Nabelschnurblut isolierte NK-Zellen genetisch modifiziert, um sie gegen das CD19-Molekül zu richten und ihre Vermehrung und Langlebigkeit in vivo zu verbessern, während potenzielle Sicherheitsbedenken minimiert werden. Diese Zellen werden als „aus Nabelschnurblut hergestellten iC9.CAR19.IL-15 NK-Zellen“ bezeichnet. Diese Therapie könnte als zelluläres Therapieprodukt zur sofortigen klinischen Anwendung zur Verfügung stehen.

Die DKMS Stiftung Leben Spenden schreibt Nachwuchs-Stipendien im Bereich der Blutkrebsforschung aus, weil die Unterstützung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Investition in die Zukunft ist. Seit 2015 werden jährlich die DKMS Mechtild Harf Research Grants an junge Wissenschaftler weltweit  vergeben, um Forschungsvorhaben im Bereich der hämatopoietischen Stammzelltransplantation oder zellulärer Therapien gegen Blutkrebs zu fördern. Die finanzielle Unterstützung erfolgt, abhängig vom Projektfortschritt, für maximal drei Jahre mit einer Summe von bis zu 80.000 Euro pro Jahr. Die Förderperiode beginnt jeweils am 1. Juli und endet am 30. Juni des folgenden Jahres.

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