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9. November 2021, News in Spender & Patienten

Metal-Fan aus Transsilvanien gab Blutkrebskrebspatientin Lebenschance

Emys Motto: „Wenn ich helfen kann, mache ich das gerne.“

Emanuel „Emy“ Bernhard spendete im Juli 2016 Stammzellen für eine schwerkranke Patientin aus Serbien und gab ihr so die Chance auf eine Zukunft. Im Gespräch mit dem DKMS Redaktionsteam berichtet der Metal-Fan von seiner Motivation, anderen zu helfen, und wie man auch mit kleinen Dingen im Alltag die Arbeit der DKMS unterstützen kann. Thema war auch das vorbildliche Engagement des Organisationsteams des weltweit größten Heavy-Metal-Festivals, des Wacken Open Air, im Kampf gegen Blutkrebs.

Metal-Fans unterstützen die DKMS – das hat inzwischen Tradition. Seit 2014 rufen die Veranstalter des Wacken Open Air (W:O:A) die Fans zu einer Registrierung auf. Der Einsatz des W:O:A im Kampf gegen die Krankheit ist wirklich einmalig: Im Zuge der Kooperation haben sich bereits über 10.000 Metal-Fans bei der DKMS registriert.

Emanuel „Emy“ Bernhard gehört seit Langem zur Wacken-Familie und betreut den Nachwuchswettbewerb „Metal Battle“ für Rumänien. Für ihn als echten Metalhead ist es Ehrensache zu helfen, wenn es nötig ist. Im Mai 2014 ließ er sich daher als möglicher Spender in die DKMS-Datei aufnehmen. Etwa zwei Jahre später bekam er die Nachricht, dass er einem Patienten oder eine Patientin eine Lebenschance geben kann. Emy stammt aus Sibiu in Transsilvanien, einem Landstrich im Zentrum von Rumänien. „Für mich ist es die schönste Stadt, weil ich dort geboren bin. Viele kennen sie wegen der Geschichten rund um Graf Dracula. Wie Sie sehen, kommen von dort keine ‚blutdurstigen‘ Vampire – ganz im Gegenteil: Sie spenden sogar ihr Blut. Also, ich tue das zumindest“, sagt der 46-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Seit mehr als 17 Jahren lebt der IT-Spezialist in Deutschland. „Die Liebe hat mich hierhergebracht. Ich war damals zur Hochzeit meiner Schwester eingeladen, und ich habe die beste Freundin meiner Schwester auf dem Standesamt getroffen. Bis zu diesem Moment hatte ich nicht an die Liebe auf den ersten Blick geglaubt. Doch dann ist es mir passiert, und ich habe entschieden, nach Deutschland zu ziehen“, berichtet Emy, der in der Nähe von München wohnt. „Es hat nicht funktioniert bis zum Ende. Wir sind seit 13 Jahren geschieden, aber Freunde geblieben. Aus unserer Liebe ist unsere Tochter entstanden.“ Mittlerweile ist sie 16 Jahre alt und sehr stolz darauf, dass ihr Vater Stammzellen spenden konnte.

Lieber Emy, ganz herzlichen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Was war für dich der Grund, dich bei der DKMS zu registrieren?

Ich wusste schon vor Jahren davon, doch ich dachte lange, es sei schmerzhaft. Einige Wochen vor dem World Blood Cancer Day 2014 las ich die Informationen und fand heraus, wie einfach die Registrierung ist. Es zeigte sich, dass es überhaupt nicht wehtut, zumal man damit helfen und Stammzellen spenden kann. Es hat wirklich keine negativen Auswirkungen, sondern nur positive Seiten – man kann Leben retten. Ich habe mich dazu entschieden, es genau auf diese Weise zu tun. Wenn ich helfen kann, dann mache ich das gerne. So wurde ich erzogen. Deshalb bin ich beispielsweise seit meinem 20. Lebensjahr Blutspender. Ich habe in Rumänien 27 Mal gespendet, hier in Deutschland schon 23 Mal und mache das auch weiterhin. In meiner Firma bin ich Ersthelfer und frische diese Ausbildung alle zwei Jahre auf. Ich konnte meine Kenntnisse tatsächlich schon bei einem Unfall anwenden. Außerdem bin ich seit zehn Jahren bei der freiwilligen Firmen Feuerwehr. Es ist einfach wichtig, sich im Notfall auf Hilfe von anderen verlassen zu können.

Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass du mit einer Stammzellspende eine Lebenschance geben kannst?

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht. Es gibt Leute, die seit 30 Jahren angemeldet sind und noch nicht kontaktiert wurden, weil sie einfach nicht passten. Bei mir passierte es ziemlich bald nach meiner Registrierung. Es war eine Mischung aus Aufregung und dem Gefühl einer zusätzlichen Verantwortung. Ich dachte: Was ist, wenn etwas schiefgeht? Nicht für mich, ich war über das gesamte Verfahren gut informiert. Ich hatte wirklich keine Sorgen um mich. Alles lief gut. Aber mich beschäftigte sehr die Patientenseite. Was ist, wenn die Stammzellen irgendwie beschädigt werden? Wie schlimm ist die Situation beim Patienten?

Hast du dir Gedanken darüber gemacht, für wen deine Stammzellen bestimmt sind?

Natürlich. Es ist ein Menschenleben. Und ich habe mich immer in diese Situation hineinversetzt: Was wäre, wenn ich Stammzellen bräuchte und sie nicht bekäme? Wie würde es sich anfühlen, noch jung zu sein und praktisch das ganze Leben noch vor sich zu haben, und nichts passiert?

In dem Moment, als ich die Stammzellen spendete, wusste ich nicht, für wen sie bestimmt sind. War es ein Mann, eine Frau, jung oder alt, kam die Person aus Europa, Amerika, Asien oder Australien? Es spielte auch keine Rolle. Jeder hat Hilfe verdient, wenn er sie braucht.

Nach der Spende erfuhr ich, dass meine Spende für eine Frau bestimmt war, mehr nicht. Ich kannte weder ihr Alter noch ihren Wohnort. Später bekam ich die Information, dass die Behandlung gut verlief und dass sie sich erholte, sich besser fühlte und zu arbeiten begann. Das war ein großer Moment der Erleichterung. Ein schönes Gefühl. Ich glaube, dass man es nicht wirklich nachvollziehen kann, wenn man es nicht selbst durchgemacht hat. Ich war einfach glücklich. Alle haben sehr positiv reagiert. Vor allem meine Tochter ist sehr stolz darauf, dass ich helfen konnte. Das macht wiederum mich froh und glücklich.

Bei dir wurden die Stammzellen ambulant aus dem Blut herausgefiltert. Wie lief die Spende ab?

Es war alles sehr gut organisiert, und ich war immer unter ärztlicher Beobachtung. Ich bekam alles, was ich brauchte. Eine echte Herausforderung für einen überenergetischen Menschen wie mich war es, mich für die Entnahme der Stammzellen mehrere Stunden hinzulegen. Aber die Erfahrung selbst fand ich cool. Ich kann sagen: Es gibt keinen Grund, vor irgendetwas dabei Angst zu haben. Bei mir lief alles wirklich perfekt.

Die Transplantation liegt mittlerweile mehr als zwei Jahre zurück. Stehen die Patientin und du in Kontakt?

Ja, wir sind in Kontakt, haben uns aber noch nicht getroffen. Ich weiß, dass sie Ärztin ist. Wir schreiben uns und würden uns wirklich freuen, wenn wir uns einmal treffen könnten. Unter COVID-19-Bedinungen ist das natürlich schwierig und daher noch nicht konkret geplant. Aber es wäre schön. Ich weiß, dass sie einen Freund hat und dass sie beide planen zu heiraten. Und sie haben vor, nach Deutschland zu ziehen. Im Moment leben sie in Serbien, und ich habe ihr gesagt, dass ich ihnen mit dem ganzen praktischen Teil helfen werde, wenn sie sich wirklich entscheiden, hierher zu ziehen.

Du bist nicht nur ein Metalhead, sondern auch seit Langem Teil der Wacken-Familie. Was bedeutet es für dich, dass das Wacken-Team so engagiert im Kampf gegen Blutkrebs ist?

Das ist einfach der Wacken-Spirit, und ich weiß, dass die Wacken Foundation, die Wacken-Familie, die Wacken-Organisatoren immer versuchen zu helfen – nicht nur direkt auf dem Festival, sondern auch sonst. Es war für mich daher nicht überraschend, dass sie sich im Kampf gegen Blutkrebs engagieren. Ich freue mich umso mehr zu sehen, wie lebendig dieser Familiengeist auf Wacken ist: Jeder ist bereit, jedem zu helfen.

Heavy Metal bedeutet nicht nur Musik und eine tolle Atmosphäre. Es geht um die Familie – und Wacken fühlt sich für mich bis heute so an. Ich habe mich damals sofort willkommen gefühlt. Jahr für Jahr treffen sich dort 80.000 Menschen – es ist wie ein riesiges Familientreffen. Sie kommen von überall nach Wacken, nicht nur aus Deutschland. Die Hälfte von ihnen kommt nicht einmal aus Europa. Sie kommen aus Russland, Amerika, Kanada, einige sogar aus Neuseeland.

Rock this life. Das ist es, was wir als Wacken-Familie tun. Wir helfen Menschen, wir sind mit Leib und Seele dabei.

Wie können die Menschen im Kampf gegen Blutkrebs helfen?

Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, beispielsweise durch Teilen von Social-Media-Aufrufen. Ich starte zu meinem Geburtstag regelmäßig eine Geldspendenkampagne auf Facebook und kaufe bewusst auch über Amazon Smile ein, denn so wird auch die DKMS finanziell unterstützt. Gerade in Zeiten von Corona ist das für mich sehr praktikabel. Und natürlich sollen sich die Menschen registrieren lassen. Das geht ganz einfach über www.dkms.de/wacken.

Ich rufe jedem zu: Rock on, registriere dich bei der DKMS, man weiß nie, wann man die Chance hat, ein Leben zu retten. Und wenn es dazu kommt, weiß ich: Das Gefühl ist unglaublich! Ich kann es nur empfehlen, sich registrieren zu lassen.

Lieber Emy, ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

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