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15. August 2018, News in Partner & Netzwerk

Sommergespräch: Doro Pesch über die Solidarität der Metalszene

„Die Metal-Szene ist eine Szene, die so wundervoll ist und es sind Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben.“

Metalqueen Doro Pesch spricht in der aktuellen Interviewreihe „Sommergespräch“ eindrucksvoll darüber, warum es ihr eine Herzensangelegenheit ist, die DKMS bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Seit 2014 ist die gebürtige Düsseldorferin als potenzielle Spenderin in der Datei verzeichnet und motiviert dazu mit viel Engagement auch die Fans. So startete sie vor einigen Tagen beim Wacken Open Air Festival (W:O:A) gemeinsam mit Festivalgründer Thomas Jensen einen Registrierungsappell.

Allgemein beeindruckt sie die länderübergreifende Solidarität für Menschen in Not in der eingeschworenen Gemeinde der Metalfans – und lebt seit vielen Jahren nach diesem Prinzip. Darüber hinaus erzählt sie sehr berührend von der tiefen Verbindung zu ihrem Freund Lemmy Kilmister, dem verstorbenen Motörhead-Sänger, und warum sie ihm ihr am 17. August 2018 neu erscheinendes Album „Forever Warriors, Forever United“ gewidmet hat. Explizit weist sie auch darauf hin, dass sie in seinem Sinne versucht, auf das Thema Krebs und die Hilfsmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Liebe Doro, das W:O:A 2014 war aus DKMS-Sicht eine wichtige Veranstaltung. Wir waren dort erstmals mit einer Registrierungsaktion vertreten und auch Du hast Dich bei uns als mögliche Stammzellspenderin registriert, was uns natürlich sehr gefreut hat. Was war denn für Dich damals der Anlass?

Ich bin schon seit vielen Jahren ganz eng mit Wacken verbunden gewesen und so kam das Gespräch auch auf die Registrierungsaktion. Es hieß: Eine kleine Tochter von einem ganz engen Wacken-Mitarbeiter ist an Leukämie erkrankt – und da habe ich mitgemacht und auch den Fans davon erzählt. Ich bin jemand, der die Leute glücklich machen möchte und deswegen ist so etwas natürlich ganz wichtig. Abrocken, schöne Musik machen, schöne Konzerte zusammen erleben – das ist super, aber die Gesundheit ist das höchste Gut. Und wenn man irgendetwas für Krebskranke machen kann, dann das ist toll. Man kann davon auch so vielen Leuten erzählen und hier in Wacken hat man eine ganz große Breitenwirkung.

Während des W:O:A 2014 hast Du mit Deinem Freund Lemmy Kilmister auf der Bühne gestanden. Die Motörhead-Legende starb 2015 nur zwei Tage nach der Diagnose „Prostatakrebs“. Ist es daher für Dich etwas ganz Besonderes, hier wieder vor den Fans aus aller Welt aufzutreten? Und wie sehr bewegt Dich seitdem das Thema Krebs allgemein?

Lemmy war einer meiner allerbesten Freunde in diesem ganzen Musikzirkus und wir haben uns ganz oft in Wacken getroffen, haben viele Sachen zusammen gemacht, haben Platten zusammen aufgenommen, haben in Wacken zusammen gespielt und ich war todtraurig, als ich erfahren habe, dass Lemmy auch Krebs hat. Das war im Endstadium und man wusste, dass es wahrscheinlich das Ende ist. Das hat mir das Herz gebrochen und ich dachte mir: Es ist bestimmt in seinem Sinne, dass wir versuchen, alles dafür zu tun, dass man solche Sachen früh entdeckt, dass man sie heilen kann und dass mehr geforscht wird. Und wenn ich etwas dazu beitragen und auch den anderen Fans davon erzählen kann, dann möchte ich das natürlich gerne tun. Gerade Lemmy war so ein herzensguter Mensch und wurde wirklich verehrt von Millionen von Fans, ganz besonders hier in Wacken. Die Leute haben ihn so geliebt und ich bin immer noch im Herzen mit Lemmy verbunden.

Die neue Platte haben wir auch Lemmy gewidmet. Es ist ganz traurig, wenn jemand geht, den man liebt und so verehrt. Ich selber habe noch nicht so viel Berührung gehabt mit Menschen die an Krebs erkrankt sind, ich weiß es nur von entfernten Freunden und ich selber bin auch verschont geblieben – aber ich weiß, es kann jeden treffen, jeden Tag und dann ist das Leben natürlich ganz anders. Dann geht der Kampf ums Überleben los.

Mit 15 Jahren habe ich eine schwere Krankheit gehabt, war ein Jahr im Krankenhaus und es ging auch um Leben und Tod. Damals habe ich gedacht: wenn ich da jemals lebend rauskomme, dann mach ich was mit meinem Leben, möchte ich die Leute glücklich machen. Ja und dann bin rausgekommen und zwei Wochen später hatte ich meine erste Band. Ich weiß nicht, ob es Zufall oder gute Fügung war. So habe ich dann mit der Musik angefangen, weil ich dadurch, dass ich überlebt hatte, so viel Power bekommen habe. Das war eine Situation, die mich sehr geprägt hat. Dieses eine Jahr, das hat alles verändert und es ist Gott sei Dank gut ausgegangen.

Im August wird Dein mit viel Spannung erwartetes neues Album erscheinen, es heißt „Forever Warriors, Forever United“. Für immer Kämpfer, für immer vereint – was bedeutet dies für Dich und verbirgt sich dahinter eine persönliche Geschichte oder eine Person, an die sich diese Botschaft richtet?

 Ja, es ist ein Doppelalbum, auf dem 25 Songs drauf sind. Der erste Song geht über Lemmy und heißt „Living Life To The Fullest“. Er ist Lemmy gewidmet und es ist auch noch eine schöne Coverversion von Motörhead drauf, die „Lost In The Ozon“ heißt. Die gesamte Platte ist Lemmy gewidmet, es steht im CD-Booklet „dedicated to Lemmy Kilmister“. Fighting the good fight, all we are…für immer, fighting the good fight, einer ist für den anderen da – man steht für den anderen ein, man lebt den Metal, es sind tiefe Verbindungen, tiefe Freundschaften und darum geht es auch auf der Platte. Und auch darum, dass man die Leute positiv „empowered“, positive Energie gibt. Es sind viele Balladen drauf, es sind viele Hymnen drauf, es sind viele schnelle harte Sachen drauf, also ist die ganze Brandbreite von menschlichen Gefühlen, aber es ist alles positiv gemeint, auch die harten, die heavy Sachen sind mit positiver Energie geschrieben worden. Es ist auch eine deutsche Nummer drauf, die „Freunde fürs Leben“ heißt und die so etwas ähnliches wie „Für immer“ ist. Ich würde sagen, alles was das Herz begehrt würde, ist drauf.

In der Hymne „All For Metal“ singen ganz viele Leute mit, die ich letztes Jahr hier in Wacken getroffen habe. Genau hier, wo wir jetzt sitzen, war der Dressing Room von Warrel Dane, der leider auch nicht mehr lebt, ihn habe ich in Wacken das letzte Mal getroffen. Wir waren seit 1988 befreundet, sind zusammen auf Tour gegangen und er war ein ganz, ganz toller Mensch.

Dann war beispielsweise auch Jeff Waters von Annihilator hier und ich habe einfach alle gefragt, ob sie nicht Bock haben mitzusingen. Ich habe gesagt: Es ist eine neue Hymne in der Mache, es war also vor einem Jahr nur eine Demoversion. Und alle mitgesungen, auch Johann Hegg von Amon Amarth. Vergangenes Jahr war ich hier in Wacken wegen eines Auftritts hatte mit Amon Amarth und ich hatte nur einen Song, den ich gesungen habe. Deswegen konnte ich überall herumlaufen und mit den Bands und den Musikern quatschen. Und so hat sich alles entwickelt. In Wacken, da entwickeln sich einfach die Sachen, das ist gigantisch. Ihr müsst einfach reinhören, die Platte ist super schön geworden.

Die DKMS erfährt in Wacken großartige Unterstützung, u. a. durch das W:O:A-Organisationsteam. Dank dieses Einsatzes haben sich seit 2014 schon mehr als 6000 „Metal Heads“ registrieren lassen – auch in diesem Jahr ist das Interesse wieder riesig. Führst Du dies darauf zurück, dass die Heavy-Metal-Szene insgesamt sehr solidarisch ist?

Die Metal-Szene ist eine Szene, die so wundervoll ist und es sind Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, die von der ersten Stunde an loyal sind und die sich um den anderen kümmern. Ich finde, das macht den Metal aus.

Wenn man einmal Blut geleckt hat, dann habe ich das Gefühl, die Fans bleiben immer dabei und auch untereinander sind die Metalfans eine eingeschworene Gemeinde – und das weltweit. Und es ist echt phantastisch: Es ist ein wirklich einmaliger Menschenschlag. Man liebt zwar die Musik, den Metal, aber es ist auch ein Lebensgefühl und das ist etwas ganz ganz Positives. Und da ist viel Mitmenschlichkeit, was man heutzutage manchmal ganz selten sieht – und genau das ist bei den Metallern zu finden, besonders hier in Wacken, aber natürlich auch bei den andern Festivals. Die Metalfans, die Metalmusiker, die halten zusammen. Das ist kein Spruch, das ist wirklich so, weil ich das seit über 35 Jahren so empfinde und lebe, das ist wundervoll.

Auf deinem 2017 erschienenen Album „FÜR IMMER“ interpretierst Du auch David Bowies Song „Heroes“ in einer deutschen Version – als Hommage an den verstorbenen Künstler. Was bedeutet es für Dich persönlich, ein Held zu sein?

Ein Held ist für mich jemand, der etwas uneigennützig macht. Der sich für andere Menschen einsetzt, egal ob es im kleinen Rahmen oder im großen Rahmen ist.

Dazu gehört auch, dass man andere Menschen supported und ihnen hilft – weil, man kann so glücklich sein, wenn man gesund ist. Und ich weiß ja ganz genau und aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn sich das Leben ändert und wenn man auf einmal krank wird. Und dass man sich auf den anderen verlassen kann, das ist toll und dass man mit dem Herzen handelt. Das man alles macht, alles gibt und diese Gebermentalität hat, die finde ich auch so toll im Metal und das ist wirklich einmalig.

Für mich ist ein Held einfach jemand, der aufmerksam ist, der nicht nur für sich selbst egoistisch handelt, sondern auf die Mitmenschen achtet und dann versucht, im Kleinen oder im Großen etwas zu bewirken.

Wie lautet Dein Appell an die Heavy-Metal-Fans?

Liebe Fans, Wacken ist seit fünf Jahren mit der DKMS verbunden, bitte registriert euch, es tut nicht weh, es rettet Leben. Wenn man mal krank wird, dann braucht man die Hilfe der anderen, man braucht die Leute, die einen supporten. Ich habe das selber erlebt, ich war für ein Jahr mal ganz schwer krank und ich hätte ohne die andern Mitmenschen nicht überlebt. Deswegen: Es ist ganz wichtig, registriert euch und es ist eine super Sache, also DKMS – keep on rocking und wir sehen uns!

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