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27. Januar 2022, News in Medizin & Forschung

Studie für bessere Heilungschancen nach Stammzelltransplantation

DKMS treibt Prävention der Graft-versus-Host-Disease voran

Die gefährlichste Nebenwirkung der allogenen Stammzelltransplantation, die Graft-versus-Host-Disease (GvHD), ist noch immer nicht ausreichend erforscht. Die weltweit größte Stammzellspenderdatei DKMS will das ändern – denn es ist das erklärte Ziel der gemeinnützigen Organisation, die Überlebens- und Heilungschancen von Blutkrebspatient:innen zu verbessern. Im Kampf gegen die GvHD hat die DKMS zusammen mit Spitzenforschungszentren jetzt erneut eine wissenschaftliche Studie auf den Weg gebracht.

Weltweit suchen rund 70.000 Menschen pro Jahr eine:n passende:n Stammzellspender:in außerhalb der eigenen Familie. Für sie ist eine allogene Stammzelltransplantation oftmals die einzige Überlebens- und Heilungschance. Die meisten der Betroffenen leiden an einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems, zum Beispiel an Leukämie. Doch nicht alle Stammzelltransplantationen führen zum gewünschten Erfolg. Bis zu 50 Prozent der Patient:innen erkranken an der Graft-versus-Host-Disease (Empfänger-gegen-Wirt-Krankheit), einer Nebenwirkung einer Stammzelltransplantation. Zu den Symptomen können Hautausschläge, Bauchschmerzen, Müdigkeit oder sogar Schäden an den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts gehören (siehe auch hier). Eine GvHD kann sogar tödlich verlaufen.

Wie kommt es zur Graft-versus-Host-Disease?

Die GvHD ist eine Immunreaktion. Jedes Transplantat beinhaltet neben den eigentlichen Stammzellen auch Immunzellen der Spenderin oder des Spenders. Während sich die gespendeten Stammzellen im Knochenmark der Empfängerin oder des Empfängers ansiedeln und die neue Blutbildung aufbauen, wandern die Immunzellen nach der Transplantation durch den Körper. Im Idealfall vernichten sie dabei Krebszellen und verhindern, dass die Krebserkrankung zurückkehrt. Greifen die Immunzellen der Spenderin oder des Spenders aber die gesunden Zellen der Patientin oder des Patienten an, weil sie diese als fremd erkennen, kommt es zur Graft-versus-Host-Disease. Deshalb ist es so wichtig, dass Patient:in und Spender:in genetisch zueinander passen, dass also ihre HLA-Merkmale möglichst optimal übereinstimmen: Je passender das „Match“, desto wahrscheinlicher erkennen die transplantierten Immunzellen die Zellen der Empfängerin oder des Empfängers als körpereigenes „Material“ an.

Im Hinblick darauf, wie sich die GvHD vermeiden oder behandeln lässt, sind noch viele Fragen offen. Eine der Fragen, die in der Fachwelt schon lange diskutiert werden, will ein Forscherteam der DKMS Clinical Trials Unit (CTU) jetzt mit einer prospektiven Studie beantworten.

Vergleich zweier Medikamente gegen GvHD – wirken PTCY und ATG gleich gut?

Diese Studie vergleicht die Wirksamkeit zweier Medikamente, die bereits seit vielen Jahren in der Hämatologie eingesetzt werden.

Cyclophosphamid wird zur Vorbeugung von GVHD am dritten und vierten Tag nach der Transplantation gegeben. Deshalb spricht man von „post transplant Cyclophosphamid“, abgekürzt PTCY. Es handelt sich um ein Chemotherapeutikum. Das Medikament bremst Entzündungsreaktionen von Immunzellen. Die Gabe verringert die Wahrscheinlichkeit, an GvHD zu erkranken.

Anti-Thymozyten-Globuline sind Antikörper, die an T-Lymphozyten und andere Immunzellen binden. Dadurch werden diese Zellen neutralisiert und Abwehrreaktionen abgeschwächt. Die Antikörper werden unmittelbar vor der anstehenden Transplantation verabreicht. Sie sollen die Zahl der entzündungsauslösenden Immunzellen verringern. Auch so kann eine GvHD vorgebeugt werden.

Beide Medikamente haben eine signifikante Anti-GvHD-Wirkung. Bisher wurde jedoch noch nicht gründlich untersucht, ob sie beide gleichermaßen wirksam gegen GvHD sind. Um diese wissenschaftliche Lücke zu schließen, wird die DKMS gemeinsam mit Spitzenforschungszentren über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren gemeinsam eine klinische Prüfung durchführen. „Nachdem alle teilnehmenden Kliniken entsprechend geschult und die Verträge unterzeichnet sind, werden wir die erste Patientin oder den ersten Patienten rekrutieren“, kündigt Sarah Trost, Teamleiterin des Bereichs Clinical Research der DKMS CTU, an. Das wissenschaftliche Team geht von rund 540 Studienteilnehmer:innen aus. „Wenn sich herausstellt, dass beide Medikamente die gleiche positive Wirkung zeigen, können Ärzt:innen ihre Behandlungspläne besser auf die einzelnen Patient:innen zuschneiden“, erklärt Sarah Trost. „Finden wir dagegen heraus, dass die Therapien nicht gleich wirksam sind, wird man nachfolgend die unterlegene Therapie nicht mehr anbieten.“

Mehr Informationen zu den Studien und zum wissenschaftlichen Engagement der DKMS bietet die DKMS Professionals‘ Platform: https://professional.dkms.org/.

Vor Kurzem hatte die DKMS Clinical Trials Unit bereits eine weitere Studie zur Prävention der GvHD auf dem Weg gebracht. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch hier.

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