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25. November 2019, News in Spender & Patienten

„Ich habe durch meine Spende nur gewonnen“

Eva fliegt in die USA und trifft ihren "Blutsbruder" Mark

Stammzellspenderin Eva Frentzen hat einem Menschen die Chance auf ein zweites Leben ermöglicht – und dafür selbst eine zweite Familie in den USA geschenkt bekommen.

11.50 Uhr, Flughafen Detroit. Die Schiebetüren öffnen sich und Eva Frentzen aus Mönchengladbach betritt die Ankunftshalle. Ihr Herz klopft bis zum Hals, die Vorfreude ist riesengroß. Und da steht er, sie erkennt ihn sofort: Mark Jones, ihren „Blutsbruder“, dem sie mit einer Stammzellspende das Leben gerettet hat. Der 1,92 Meter große Mann winkt ihr zu, strahlend und sichtbar genesen. Stürmisch fallen sie sich in die Arme. „Ich bin so froh, dass du lebst“, sagt Eva mit einem Lächeln, das glücklicher wohl nicht sein könnte. Mark steht die Rührung ins Gesicht geschrieben: Der 54-Jährige verdrückt gleich mehrere Tränen.

Mehr als zwei Jahre ist es her, da bekam Mark die niederschmetternde Diagnose: Blutkrebs, akute Leukämie. Kurz zuvor war er noch topfit, spielte Golf, lief Marathon und hatte ein erfülltes Berufs- und Privatleben. Plötzlich ist alles anders, die Organe versagen, wochenlang liegt er im Koma. Eine Chemotherapie bringt kurzfristig Besserung, aber der Krebs kehrt zurück. Nur eine Stammzellspende kann ihm jetzt noch helfen, und das bedeutet: Sein genetischer Zwilling muss gefunden werden. Weltweit kommen nur drei Menschen dafür in Frage – einer von ihnen ist Eva Frentzen.

„Wie ein rohes Ei“

Als der Brief der DKMS bei ihr eintrifft, liegt ihre Registrierung als Stammzellspenderin bereits zwölf Jahre zurück. „Als Erstes dachte ich nur: Jetzt bin ich reif“, lacht die heute 35-Jährige. Dann kam die Freude, und schließlich die Nervosität. „Ich fühlte mich wie ein rohes Ei und hatte ständig die Sorge, es könnte mir etwas zustoßen. Denn ich wusste ja: Von meiner Stammzellspende hängt das Leben eines Menschen ab.

Kurz darauf erfährt sie, dass eine periphere Stammzellentnahme, also die Stammzellspende per Blutabnahme, nicht ausreicht. Der Patient benötigt eine Knochenmarkspende, die ihr unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen werden muss. „Davor hatte ich schon einigen Respekt“, sagt die Lebensretterin, „aber es stand für mich nie infrage, diesen Schritt zu gehen.“ Die Entnahme erfolgt wenig später in einer Kölner Klinik. „Das hatte ich mir alles schlimmer vorgestellt. Ich hatte kaum Schmerzen, nur ein wenig schlapp fühlte ich mich“, erinnert sie sich. „Die DKMS und das Ärzteteam haben mich bestens betreut und sich um alles gekümmert.“ Nach einigen Tagen schon ist sie wieder arbeitsfähig. Und immer wieder denkt sie voller Sorge an den Menschen, der jetzt mit Hilfe ihrer Stammzellen um sein Leben kämpft.

Ein Elefant auf Facebook

Noch kennt Eva Frentzen diesen Menschen nicht. Sie weiß nur, dass er oder sie in den USA wohnt – sonst nichts. Ist es vielleicht ein Kind? Eva Frentzen näht einen roten Stoff-Elefanten.

Einen Monat später erfährt sie von der DKMS: Der Patient ist an der gefürchteten Graft-versus-Host-Disease erkrankt. Ihre fremden Zellen greifen seinen Körper an, er schwebt immer noch in Lebensgefahr. Hoffen und Bangen. Innerhalb der zweijährigen Anonymitätsfrist ist ein Kontakt zwischen Spender und Empfänger nur anonym möglich. Persönliche Daten wie Name und Anschrift bleiben geheim. Eva Frentzen schickt dem Patienten via DKMS ein Paket: den selbst genähten Stoff-Elefanten und einem Brief mit Genesungswünschen. Als Antwort erhält sie, ebenfalls über die DKMS, einen Brief des Patienten. „Darin stand: Ich bin zu Hause und auf dem Weg der Besserung“, berichtet die Spenderin immer noch sichtlich berührt. „Das war einer der schönsten Momente, die ich je erlebt habe!

Nach Ablauf der Zweijahresfrist am 16. Mai 2019 ändert Eva ihr Profilbild auf Facebook: Es zeigt jetzt den roten Stoff-Elefanten. Zwei Tage später erhält sie eine Nachricht von Jane, Marks Frau: „Es waren zwei lange Jahre. Endlich können wir dich persönlich kennen lernen!“ Zu diesem Zeitpunkt hat Mark bereits wieder sein Normalgewicht erreicht, er kann wieder arbeiten gehen und steht sogar wieder auf dem Golfplatz. Eva, Mark und Jane verabreden sich zu einem ersten Telefongespräch. „Ich war unheimlich nervös, weil ich dachte, dass mein Englisch nicht ausreicht“, erzählt Eva. Und dann das Unerwartete: „Unser erstes Gespräch dauerte zwei Stunden und es war so, als würden wir uns schon ewig kennen.

Am 18. September fliegt die junge Frau nach Detroit. „Das war ein einzigartiges Erlebnis“, erzählt sie begeistert. „Mark und Jane sind wundervolle Menschen, eine Bereicherung für mein Leben!“ Bei einem großen Barbecue lernt sie Verwandte und Freunde von Mark kennen. „Es gab ohne Ende Umarmungen, Liebe und Dankbarkeit“, erinnert sich Eva Frentzen. „Es fühlt sich an wie eine zweite Familie.

„Ich würde jederzeit wieder spenden!“

Besonders die verliebten Blicke, die Mark und Jane einander zuwerfen, bedeuten Eva unendlich viel: „Das größte Geschenk, das man jemandem machen kann, ist Zeit für die schönen Momente und die wichtigen Menschen im Leben.“ Den Schritt, Stammzellen für einen anderen Menschen zu spenden, würde sie immer wieder gehen. „Es kann so einfach sein, ein Leben zu retten, und ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, sich bei der DKMS registrieren zu lassen“, sagt sie und lächelt. „Ich habe dadurch nur gewonnen!

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