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5. Oktober 2021, News in Spender & Patienten

Günter begegnet seinem Lebensretter

„Ein unbeschreiblich bewegender Moment in meinem Leben“.

2017 erkrankt der damals 46-jährige Günter aus dem Oberpfälzer Landkreis Cham an Blutkrebs. Nur ein:e passende:r Stammzellspender:in kann das Leben des dreifachen Vaters retten. Zwei Jahre später lernt er endlich den Menschen kennen, der ihm eine zweite Chance auf Leben geschenkt hat: den 37-jährigen Martin aus dem Erzgebirge.

Günter ist verheiratet, hat drei Söhne und arbeitet als Produktionsleiter. Er steht fest und glücklich im Leben, als er plötzlich Schmerzen im Rücken und Becken spürt. Die Standardbehandlungen vom Hausarzt mit Tabletten, Spritzen und Infusionen bleiben ohne Erfolg. Auch ein anberaumtes MRT im Oktober bringt keine Klarheit. „Laut Befund alles soweit OK“. Später stellt sich heraus, dass der Befund fehlerhaft war! Erst Monate später, als die Schmerzen nicht mehr aushaltbar sind, sucht er auf Eigeninitiative Hilfe in einem größeren Klinikum. Nach zwei Tagen bekommt er eine niederschmetternde Diagnose: Er leidet an einem Multiplen Myelom, einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems. Bereits 80% des Rückenmarks sind befallen. Es muss schnell gehandelt werden, weil die Wirbelsäule zu brechen droht. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt! Behandlungszyklen mit Bestrahlungen und Chemotherapie folgten. Eine Hochdosis-Chemotherapie mit Eigenstammzellentransplantation im Frühjahr 2018 können die bösartigen Zellen nur kurze Zeit in Schach halten.

Ein halbes Jahr nach der Diagnose teilen ihm die Ärzte mit, dass nur eine Stammzelltransplantation mit einem Fremdspender sein Leben nachhaltig retten könne. Zu diesem Zeitpunkt sind seine Werte stabiler. Günter lehnt zunächst ab. Er fühlt sich weder physisch noch psychisch dazu in der Lage. Er ist am Ende seiner Kräfte – zu heftig waren die Folgen der Chemotherapien. Er braucht eine Verschnaufpause. Wenige Monate später verschlechtern sich seine Werte dramatisch und schließlich ist Günter bereit: Eine hochdosierte Chemotherapie bringt seine Immunabwehr nun gänzlich zum Erliegen. Am 20. März wird er transplantiert – mit Stammzellen eines unbekannten Spenders.

Die Nebenwirkungen sind verheerend: Schmerzen, permanente Übelkeit, Auflösen der Mundschleimhäute. Günter kann kaum noch essen, nimmt ab, hat keinerlei Kraft mehr. Nur sehr langsam geht es ihm besser. Im Dezember spendet der gleiche unbekannte Spender erneut: Dieses Mal aber keine Stammzellen, sondern Lymphozyten, um Günters Immunsystem anzuregen. Offenbar mit Erfolg. Im Mai 2020 kann, mit Unterstützung durch seinen Arbeitgeber, die berufliche Wiedereingliederung starten. Ein wenig Normalität kehrt zurück. Ganz allmählich findet Günter wieder zurück ins Leben, ohne dabei den Menschen zu vergessen, der ihm das Leben gerettet hat.

Zwei Jahre vergehen. Nach dieser Zeit der vorgeschriebenen Sperrfrist erhält Günter von der Transplantationsklinik die lang ersehnten Kontaktdaten seines Lebensretters. Aufgeregt nimmt er per Email Kontakt zu ihm auf. Und er muss nicht lange warten. Die Antwort kommt sofort: Hinter dem Unbekannten verbirgt sich Martin, 37 Jahre, ein empathischer und herzlicher junger Mann aus dem Erzgebirge.

Martin, der bei der Chemnitzer Autobahnmeisterei als Kolonnenführer arbeitet, hat sich 2016 bei der DKMS registrieren lassen. 2018 erhält er die Nachricht, dass er als passender Spender für einen Blutkrebspatienten in Frage käme. „Ich habe mich riesig gefreut. Die DKMS wollte mir noch Bedenkzeit geben, aber ich habe ohne zu zögern zugesagt. Ich war einfach nur glücklich. Wann hat man schon mal die Möglichkeit, einem Menschen das Leben zu retten?“, erinnert sich Martin. Im März fährt er zur Stammzellentnahme nach Dresden. „Es war alles perfekt organisiert, vollkommen unkompliziert und hat nur knapp drei Stunden gedauert.“

Dann, vor wenigen Tagen, verknüpfen sich beide Lebensgeschichten. „Ein halbes Jahr haben wir uns nur geschrieben. Ganz bewusst haben wir nicht miteinander telefoniert. Wir wollten uns unsere Stimmen, die ersten gesprochenen Worte, für den großen Moment, unsere erste Begegnung aufheben“, erklärt Günter, dem es von Anfang an eine Herzensangelegenheit war, seinen Lebensretter in seine Heimat einzuladen. Nun ist es soweit. Günter und Martin lernen sich kennen. Martin macht sich mit seiner Familie aus dem Erzgebirge auf den Weg nach Bayern. Beide sind extrem aufgeregt. Es ist der Moment, auf den sie so lange gewartet haben. „Als Martin kurz vor seinem Eintreffen seine Ankunft ankündigte, hat uns nichts mehr im Haus gehalten. Mit der ganzen Familie sind wir auf die Straße gerannt und haben Ausschau gehalten. Wir hatten alle Herzklopfen. Und dann war er endlich da. Martin ist auf unseren Hof gefahren, ausgestiegen und dann war erst einmal Stille. Zu groß ist der Moment. Ich konnte einfach nichts sagen. Meine Dankbarkeit kennt keine Grenzen und Worte waren dafür einfach zu wenig.“ Die größte Herausforderung: Gerne würden sie sich umarmen, aber trotz zweifacher Corona-Impfung sind Günters Titer-Werte so niedrig, dass sie keinen ausreichen Schutz bieten. Also strecken beide die Arme symbolisch weit aus und drücken sich über die hergestellte Luftbrücke. „Für mich war es einer der bewegendsten Momente in meinem Leben“. Das sagen beide.

Von Anfang an gibt es eine starke Bindung. „Martin ist ein toller Typ, ein unglaublich empathischer Mensch mit einem ganz großen Herzen. Und er ist mein genetischer Zwilling, mein Blutsbruder und genauso fühlt es sich auch an“, verrät Günter. Er zeigt Martin seine Heimat, sie machen viele gemeinsame Ausflüge. Und sie reden ganz viel, auch über die Vergangenheit. Erst jetzt begreift Martin, welchen Leidensweg Günter hinter sich hat: „Ich war schockiert, als ich die Fotos aus seiner schwersten Krankheitsphase sah. Und war glücklich, wie positiv verändert Günter jetzt neben mir saß.“

Nach einer langen Zeit der Genesung, die Günter ohne Martin, aber auch ohne seine Familie nicht durchgestanden hätte, blickt er jetzt wieder nach vorne und sagt: „Das Gestern ist Geschichte, das Heute ist ein Geschenk, das Morgen ist ein Rätsel“. Günter freut sich auf dieses Rätsel und auf alles, was noch vor ihm liegt.

Weitere Treffen sind geplant. Bald wird Günter mit seiner Familie Martin besuchen. Solange bleiben sie auf digitalem Wege verbunden. Zum Abschied hat Martin Günter symbolisch eines der beiden Knautschherzen geschenkt, mit denen er während der Transplantation pumpen musste, um den Blutfluss für Günters Spende anzuregen. Jetzt befindet sich ein Herz im Bayerischen Wald, eines im Erzgebirge und erinnert beide stets an ihre Zusammengehörigkeit.

Wer Martins Beispiel folgen will und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Erst wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender:innen für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung.

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