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28. Mai 2021, News in Spender & Patienten

Junger Mann schenkt Lebenschance nach dem Tod seiner Frau

Acht Wochen nach seinem großen Verlust spendet Sebastian Stammzellen für eine Blutkrebspatientin

Sebastian Domel hat Stammzellen gespendet – zwei Monate nach dem Tod seiner großen Liebe Martyna, die an Leukämie erkrankt war. Das DKMS Redaktionsteam sprach mit dem jungen Mann: über seinen großen Verlust, über Lebenschancen und vor allem über Hoffnung und eine Zukunft für seine Tochter. Ort des Interviews war der Wintergarten im Einfamilienhaus in Königs Wusterhausen, den seine verstorbene Frau noch kurz vor ihrem Tod liebevoll gestaltet hatte.

„Meine Liebe wird dich nie verlassen, so wie deine mich niemals verlassen könnte. Ich werde smaragdgrünes Meeresrauschen sein und Wind. In jeder von Milas Seifenblasen werde ich mich spiegeln. Und in jeder heißen Schokolade zu Weihnachten wirst du 1000 Küsse von mir schmecken. Ich werde immer da sein, wenn ihr mich braucht. Und du wirst immer in den Himmel schauen und wissen, was das Richtige ist. Hab nur Mut.“ Diese Botschaft hat Martyna, genannt Marta, kurz vor ihrem Tod für Ehemann Sebastian geschrieben. Mit 26 Jahren starb sie an Leukämie. Zwölf gemeinsame Jahre waren ihnen vergönnt.

„Als ich Marta das erste Mal gesehen habe, dachte ich: Wow! Bei der wirst du nie eine Chance haben.“ Beide stammen aus Weißwasser und haben polnische Wurzeln. Über Freunde lernen sie sich kennen, und schon bald ist klar: Wir gehören zusammen. „Es war am 15. August 2007. Sie war 14, ich 15 Jahre alt“, erinnert sich Sebastian. „Wir saßen auf einer Bank im Schlosspark von Bad Muskau. Ich habe nicht gefragt, ob sie mit mir gehen will, sondern, was das ist mit uns beiden.“ Noch als Schülerin und Auszubildender zum Speditionskaufmann ziehen sie zusammen. Später geht es nach Berlin, ihrer Sehnsuchtsstadt. „Für uns war immer klar, Berlin, das ist unsere Stadt. Ich habe dann auch gleich einen Job bekommen, und sie hat ein duales Studium angefangen.“

2013 heiraten sie – zunächst standesamtlich, drei Jahre später kirchlich. Martyna findet nach dem Studium einen Job bei der Sparkasse in Berlin; Sebastian ist bei DB Schenker als Disponent tätig. In Königs Wusterhausen kaufen sie ein Eigenheim, und das Projekt Familienplanung wird konkret. Am 5. Juli 2018 wird die kleine Mila geboren. „Sie kam einige Wochen zu früh, war aber gesund“, erzählt Sebastian.

Auf den Tag genau sechs Wochen nach der Geburt des Mädchens wurde plötzlich alles anders, von jetzt auf gleich. Am Jahrestag ihres Kennenlernens erhielten sie eine Schocknachricht: Martyna war an akuter Leukämie erkrankt. Sie klagte zuvor über Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Atembeschwerden. Sie sah blass aus und ertastete eher zufällig eine Kugel am Lymphknoten. „Ich habe dann gedrängt, dass sie sich untersuchen lässt“, sagt Sebastian. „Unser Hausarzt hatte uns einen Hämatologen empfohlen. Dieser riet uns während des Termins dazu, direkt in die Charité zu fahren. Er werde dort anrufen, das Knochenmark müsse punktiert werden. Im Auto habe ich angefangen zu weinen. Meine Frau hat mich getröstet und gesagt: Schatz, alles wird gut.“

In der Onkologie erwarteten die Ärzte sie bereits. Martyna wurde stationär aufgenommen. „Ich bin zwischendurch nach Hause gefahren, um ihre Tasche zu packen. Ich habe gefühlt die halbe Familie angerufen und gesagt: ‚Leute, stellt euch darauf ein, dass wir heute schlechte Nachrichten bekommen. Das sagt mir mein Bauchgefühl.‘ Zurück in der Klinik habe ich gefragt: ‚Schatz, wann kommen die Ärzte? Wann erfahren wir etwas?‘ Sie ist dann zu mir gekommen, hat sich auf meinen Schoß gesetzt und gesagt: ‚Schatz, ich weiß es schon, ich habe das Ergebnis.‘“

Sie nahmen es mit der Krankheit auf und kämpften. „Wir erfuhren auch, dass die Frühgeburt wohl bereits eine Schutzreaktion des Körpers vor der Leukämie war“, erzählt Sebastian. Es folgen Chemotherapien und zwei Stammzelltransplantationen. Martyna ertrug alles tapfer, ihr Mantra lautete: „Wir schaffen das!“ Sebastian ging in Elternzeit und meisterte dank großer familiärer Unterstützung den Spagat zwischen Betreuung eines Kleinkindes und dem Klinikalltag. „Insbesondere Oma Steffi und Opa Wilfried gilt mein Dank. Sie haben uns den Rücken freigehalten und gerade zum Ende hin ermöglicht, dass wir die wertvolle verbleibende Zeit gemeinsam verbringen konnten.“

Martyna begann in dieser Zeit, ein berührendes, emotionales Onlinetagebuch zu schreiben:

Es wird ihr Vermächtnis an ihre Familie, ihren Mann und vor allem an ihre kleine Tochter. Ausschnitte daraus lesen Sie auf unserem Blog DKMS Insights.

Dreizehn Monate lang bot sie der Krankheit die Stirn, neun Monate davon verbrachte sie in der Charité und schließlich im Virchow-Klinikum in Berlin. Am 10. September 2019 starb Martyna mit 26 Jahren, nur neun Tage vor ihrem 27. Geburtstag, an Organversagen. Elf Tage später, am 21. September 2019, trug Sebastian seine große Liebe zu Grabe.

Kurz vor ihrem Tod hatte Sebastian ihr noch eine wichtige Nachricht überbringen können: Er werde Stammzellen für einen an Blutkrebs erkrankten Menschen spenden. Viele Gedanken gingen im dabei durch den Kopf: Ein Leben wird ihm genommen, vielleicht könnte er ein anderes retten – wozu er fest entschlossen war.

Bereits im Juni war er erstmals von der DKMS kontaktiert worden, denn Sebastian hatte sich bereits mit 18 Jahren als Stammzellspender registrieren lassen –– auf Martynas Engagement hin. „Ich habe der Dame am Telefon erzählt, dass ich grade in der Charité bin, meine Frau schon eine Transplantation hinter sich habe, die nächste folgen und ich natürlich helfen würde.“ Kurz darauf erhielt er per Post ein Blutabnahmeset von der DKMS. „Die Ärzte in der Charité haben mir das Blut abgenommen. Die ganze Station hat die Daumen gedrückt, und ich habe gesagt, dass das doch kein Zufall sein kann. Ein Wahnsinn! Meine Frau und ich glaubten immer an Schicksal und an Zeichen, und wir haben überlegt: Was sollte das bedeuten?“

Anfang November 2019 war es dann soweit: Sebastian spendete in der Charité Stammzellen. „Mir ging durch den Kopf, dass ich an dem Ort war, wo meine Frau starb. Aber da war auch ein schönes Gefühl: Ich könnte einem Menschen Hoffnung auf Leben geben. Ich empfand eine Art Genugtuung, dieser Krankheit etwas entgegensetzen zu können.

Begleitet wurde er bei der Spende von Arthur, einem seiner besten Freunde, der extra aus Weißwasser angereist war. „Er war stets eine große Stütze für mich. Er hat meine Frau zum Altar geführt und war einer der Sargträger. Er ist für mich Familie.“ Mit dabei hatte er ein Foto seiner verstorbenen Frau. „Sie wäre bestimmt stolz gewesen. Solange unsere Tochter und ich leben, wird sie bei uns sein.“

Einige Tage später erfuhr er, dass seine Stammzellen für eine junge Frau aus Schweden bestimmt waren. „Mit meinen Stammzellen habe ich ihr die herzlichsten Wünsche auf Heilung mitgeschickt und ihr die Daumen gedrückt, dass sie es schafft und den Blutkrebs besiegt.“

Für ihn war die Spende auch ein Moment, um inne zu halten, zu reflektieren und auf die Erlebnisse der vergangenen Monate zurück zu schauen. „Am Ende zählt nur: Leben, Luft zu atmen, die Augen zu öffnen und aus dem Fenster zu gucken. Ob es grau ist oder neblig, ob die Sonne scheint – all das ist egal. Man hat den Luxus, das erleben zu dürfen. Das habe ich gelernt durch diese Krankheit“, sagt er.

Ende 2020 erfährt er dann, dass es die Patientin leider nicht geschafft hat. „Dies macht mich wirklich traurig und betroffen. Aber ich bin sehr froh, dass ich ihr zumindest noch Zeit schenken konnte.“

Er will auch in Martynas Sinne weiter machen, sein Leben leben und vor allem seiner Tochter eine unbeschwerte Kindheit und Zukunft ermöglichen. Seine Botschaft lautet: „Die Menschen sollten einfach nur glücklich sein, wenn sie gesund sind. Schaut über den Tellerrand hinaus. Alltag hin, Alltag her. Lebensprobleme wird es immer geben. Es ist so einfach, sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Wenn ich damit nur fünf Menschen erreichte, wäre ich schon glücklich.

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