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10. August 2020, News in Spender & Patienten

Wenn der Wunsch nach einer Umarmung Wirklichkeit wird

Im Oktober 2015 spendet Philipp Sommer Knochenmark an eine Frau aus Texas

„Für mich war von Anfang an klar, dass ich die Person kennenlernen möchte. Das ist mein genetischer Zwilling“, erinnert sich Philipp Sommer (28) an die Zeit nach seiner Knochenmarkspende. Ziemlich genau vier Jahre später ist es im Oktober 2019 schließlich so weit: Der Landschaftsgärtner fliegt für drei Wochen nach Texas, um dort die Frau zu treffen, der er mit seinen Stammzellen das Leben retten konnte.

Philipps Geschichte beginnt im Jahr 2013. Als ein Feuerwehrmann aus seinem Heimatort Seligenstadt nahe Offenbach erkrankt und die Feuerwehr eine große Typisierungsaktion organisiert, lässt sich auch Philipp bei der DKMS registrieren. „Ich habe mir gedacht: Feuerwehrmann, super Typ, vielleicht passe ich ja für ihn oder für jemand anderen. Das war keine große Sache. Und wenn ich nicht passe, ist es gut, weil mein genetischer Zwilling keinen Blutkrebs hat“, erzählt er. Doch diesen kranken genetischen Zwilling gibt es eines Tages: Etwa eineinhalb Jahre später wird Philipp von der DKMS kontaktiert und erfährt, dass er für einen Menschen mit Blutkrebs als Spender infrage kommt. Philipp sagt sofort zu. „Zweifel hatte ich gar nicht“, betont er. Nach den medizinischen Untersuchungen fragen die Ärzte ihn, wann er für eine Entnahme seiner Stammzellen bereit sei. Seine Antwort: „Jederzeit. Sagt mir einfach einen Termin.“

So entspannt wie Philipp sind nicht alle Menschen in seinem Umfeld – einige machen sich Sorgen, weil die benötigten Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen werden sollen. „Manche fanden es krass, weil sie fälschlicherweise ans Rückenmark dachten, aber ich habe mich dann direkt informiert und konnte sie beruhigen, dass eine Knochenmarkspende nichts mit dem Rückenmark zu tun hat“, erinnert er sich. Auch kurz vor der Spende bleibt seine Stimmung positiv: „Das ist alles so tiefenentspannt gewesen. Ich habe einfach gemerkt, dass ich da in guten Händen bin. Vor meiner Abschlussprüfung zum Landschaftsgärtner hatte ich größere Angst“, erzählt er und lacht. Den Eingriff selbst übersteht Philipp ohne große Nebenwirkungen, wie er grinsend berichtet: „Ich war ziemlich fit. Das Blödeste an dem ganzen Ding war, dass ich danach ein paar Stunden lang nichts essen konnte. Ich war wirklich hungrig.“ Nach dem Eingriff ruft er bei der DKMS an und erfährt, dass seine Knochenmarkspende an eine 39-jährige Frau aus Texas geht.

Etwa ein halbes Jahr nach dem Eingriff erhält Philipp Sommer ein Paket von einem anonymen Absender: „Unter anderem waren da eine riesengroße Superman-Tasse und zwei T-Shirts drin: eines mit Hulk und eines mit Iron Man darauf. Zwei Briefe waren auch noch dabei: einer von der Patientin, handgeschrieben, der andere von ihren Kindern.“ Neben den Geschenken und Briefen ist in dem Paket noch etwas Besonderes: zwei Handabdrücke von Brookes Kindern, die damals 6 und 8 Jahre alt sind, verbunden durch ein Band. „Das sollte eine Umarmung sein, die mir die Kinder mitgeschickt haben. In dem Brief stand auch, dass sie mich sehr gerne in Wirklichkeit umarmen möchten. Das war sehr emotional, wirklich herzzerreißend“, erinnert sich Philipp Sommer.

Nach Ablauf der zweijährigen Anonymitätsfrist erfährt Philipp Sommer von der DKMS, dass die Empfängerin seiner Stammzellen Brooke Dooley heißt. Er erhält ihre Kontaktdaten und schickt ihr eine erste E-Mail. Brookes Freude ist groß. Einige Mails später steht fest: Die beiden möchten sich persönlich treffen und planen Philipps Besuch bei Brooke und ihrer Familie. Philipp soll für drei Wochen bei ihnen im Haus leben und kann sogar noch zwei Begleitpersonen mitbringen. Im Oktober 2019 fliegt er schließlich gemeinsam mit seiner Freundin und seiner Mutter nach Texas. Bedenken hat er nur wegen der englischen Sprache: „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, aber wir sind ja zu dritt rübergeflogen. Und zur Not geht’s ja auch mit Händen und Füßen.“

Endlich eine echte Umarmung!

Am Flughafen in den USA ist es dann so weit. Spender Philipp und Empfängerin Brooke treffen sich das erste Mal. „Das war schon ziemlich cool, muss ich sagen. Ich habe sie direkt gesehen, als die Tür aufging, habe ihr gewunken, und dann bin ich zu ihr und wir haben uns erstmal umarmt“, erzählt Philipp. Auch die Kinder können endlich den Mann in die Arme nehmen, der ihrer Mutter lebensrettende Stammzellen aus seinem Knochenmark gespendet hat.

Die nächsten drei Wochen in Texas bezeichnet Philipp Sommer als eine „gigantische Zeit“. Gespräche mit Brooke und ihrer Familie, ein Haus, in dem alles für Halloween geschmückt ist, Football, Sightseeing und eine riesige Party mit 90 Gästen: „Das war anstrengend, aber auch sehr schön. Alle wollten mich kennenlernen, und mit meinen paar Brocken Englisch hat es dann auch irgendwie geklappt. Ich bin wirklich so herzlich aufgenommen worden und wäre am Ende am liebsten dageblieben“, berichtet Philipp. Bei einem Besuch soll es deshalb nicht bleiben, das nächste Treffen ist schon geplant. Brooke und ihre Familie wollen im Sommer 2021 nach Deutschland kommen, um gemeinsam mit Philipp eine Deutschland- und Europatour zu machen.

Für Philipp hat sich durch die Knochenmarkspende einiges verändert: „Brooke hat gesagt, dass es ein Wunder ist, dass sie noch lebt. Mit der einfachen Sache, die ich da gemacht habe, habe ich ihr das Leben gerettet. Das kann doch eigentlich gar nicht sein, mit so einer Kleinigkeit! Ich habe durch die Gespräche mit ihr auch ein bisschen ein anderes Bild vom Leben bekommen – von heute auf morgen.“

Auf die Frage, ob er ein weiteres Mal Stammzellen spenden würde, hat Philipp Sommer eine eindeutige Antwort: „Ja. Wenn ihr mich anruft, bin ich da.“

 

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