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1. Februar 2019, News in Medizin & Forschung

Weltkrebstag: Expertentalk zum Multiplen Myelom

„Der Abbau der Knochensubstanz ist eines der typischen Symptome“

Aufklären, mit Mythen aufräumen und den Betroffenen eine Stimme geben – das ist die Idee hinter dem Weltkrebstag am 4. Februar, an dem sich die DKMS mit der Themenwoche „Blutkrebs“ beteiligt. In diesem Rahmen hat das DKMS-Redaktionsteam mit Dr. med. Miriam Kull über das Multiple Myelom gesprochen. Das Multiple Myelom ist eine bösartige Tumorerkrankung aus der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Der 35-jährige Ulmer Norman Roßberg erhielt im Jahr 2016 diese Diagnose. Über sein Leben mit der Diagnose berichten wir ebenfalls ausführlich und durften Frau Dr. Kull in Absprache mit ihm auch Fragen zu seiner Erkrankung stellen.

Frau Dr. Kull, ist es ungewöhnlich, dass die Diagnose Multiples Myelom in so jungen Jahren gestellt wird?

Ja. Wir wissen zwar, dass auch junge Erwachsene an einem Multiplen Myelom erkranken können. Insgesamt ist das Multiple Myelom aber eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Die meisten Erkrankungsfälle treten im Alter zwischen 70 und 79 Jahren auf. Vor dem 40. Lebensjahr tritt die Erkrankung nur selten auf.

Norman musste kurz nach der Diagnose zur Stabilisierung der Knochen mehrere Wochen ein Korsett tragen – was war die Ursache hierfür?

Der Abbau der Knochensubstanz ist eines der typischen Symptome des Multiplen Myeloms. Dies kann zu Löchern in den Knochen (Osteolysen) führen. Dadurch nimmt die Stabilität des Knochens ab und die Gefahr von Knochenbrüchen ist erhöht.

Wie sieht die aktuelle Behandlung bei Norman aus?

Die aktuelle Behandlung besteht aus einer Tablettentherapie mit dem Medikament Lenalidomid (Handelsname Revlimid®). Lenalidomid wird eingesetzt als Erhaltungstherapie nach einer Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation. Dadurch kann nicht nur die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit verlängert, sondern auch das Gesamtüberleben verbessert werden.

Wie wurde er zuvor behandelt?

Eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Blutstammzelltransplantation (Spender und Empfänger sind die gleiche Person) gilt aktuell als Standardbehandlung des Multiplen Myeloms. Vorausgegangen ist eine sog. Induktionstherapie, eine medikamentöse Behandlung mit dem Ziel, eine Remission zu erreichen, das heißt ein möglichst weitgehendes Zurückdrängen der Krankheitsaktivität, um das Auftreten weiterer tumorbedingter Probleme zu vermeiden. Im Rahmen der Hochdosis-Chemotherapie wurde dann das Medikament Melphalan in hoher Dosierung eingesetzt. Damit sollen möglichst alle im Körper verbliebenen Myelomzellen vernichtet werden. Allerdings werden durch die hohe Dosis der Chemotherapie nicht nur die Myelomzellen geschädigt, sondern auch das blutbildende System im Knochenmark. Deshalb werden den Betroffenen vor der Hochdosis-Chemotherapie gesunde Stammzellen entnommen und nach der Hochdosis-Chemotherapie wieder übertragen (autologe Blutstammzelltransplantation).

Wäre irgendwann in der Zukunft eine allogene Stammzelltransplantation eine Option für die weitere Behandlung?

Die allogene Stammzelltransplantation ist eine Behandlungsform mit dem Ziel der Heilung des Multiplen Myeloms und kann auch im Rezidiv zu lang anhaltenden Remissionen führen. Sie wird, insbesondere für jüngere Patienten mit einer Hochrisikokonstellation, in Studien weiter entwickelt und geprüft. Da sie für den Empfänger sehr risikobehaftet ist, muss die Entscheidung für eine SZT aber sehr sorgfältig abgewogen werden.

Norman ist sehr sportlich (er macht beispielsweise Standup Paddling) – wie förderlich ist es für Patienten, körperlich aktiv zu sein?

Wir wissen, dass körperliche Aktivität den Verlauf von Krebserkrankungen auf vielfältige Art und Weise positiv beeinflussen kann. Sport und Bewegung können die Nebenwirkung einer Krebs-Therapie reduzieren und die Lebensqualität verbessern. Erste Studien lassen auch die Annahme zu, dass körperliches Training einen Einfluss auf das Überleben sowie das Wiederauftreten einer Krebserkrankung haben kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

kull2

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