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30. April 2021, News in Spender & Patienten

30 Jahre DKMS: Rückblick auf die Aktionen für Helene 2009

2009 berührte die Aktion für Helene die Menschen bundesweit

Bereits einen Monat nach ihrer Geburt wurde bei Helene eine akute Form der Leukämie diagnostiziert. Sehr schnell wurde klar, dass das kleine Mädchen nur mit einer Stammzelltransplantation würde überleben können und Helenes Vater bat die DKMS bei der Spendersuche um Unterstützung.

Da er sich selbst hauptsächlich um sein schwer erkranktes Kind kümmern wollte, übergab er das Projekt seinem Schwager Jan-Philip Wilde, der dafür seine Promotionsarbeit unterbrach, um sich in den nächsten Wochen ausschließlich der geplanten Aktion zu widmen. Da Helenes Mutter Marisa in jener Zeit Juniorprofessorin an der Bucerius-Law-School war, bekam die Aktionsgruppe auch von dieser Seite wertvolle Unterstützung. Von Anfang an wurde in Zusammenarbeit mit der DKMS von den Bucerius-Student:innen eine sensationelle Pressearbeit gestartet:

Schon nach einer Woche gab es 40 Großflächenplakate in Hamburg; Helene bekam eine eigene Homepage, die täglich aktualisiert wurde; überall entstanden Leuchtreklamen in U-Bahnhöfen und Busbahnhöfen, und es wurde ein Trailer für YouTube produziert, der auch im Stadion des HSC über große Anzeigetafeln lief. Zeitgleich starteten die beiden befreundeten Privatuniversitäten für Wirtschaftsrecht in Vallendar und Östrich-Winkel unter der Schirmherrschaft von Ranga Yogeshwar Aktionen an ihren eigenen Hochschulen. Über 10.000 Flugblätter und Plakate wurden an Hamburger Bushaltestellen, in Geschäften, Banken, Arztpraxen und Tankstellen aufgehängt. Feuerwehren, Vereine, Schulen, Firmen, Kirchengemeinden und Kindergärten wurden persönlich informiert.

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Dankenswerterweise stellte die Bucerius Law School sämtliche Räumlichkeiten für die geplante Aktion zur Verfügung. Schon nach der ersten Planungswoche wurde deutlich, dass die Aktion riesige Ausmaße anzunehmen versprach: Nun galt es, möglichst viele Helfer:innen (120 Schreibkräfte, 120 Ärzt:innen und Blutabnehmer, zehn Einweiser:innen, zehn Springer, 20 Personen für die Kontrollstationen) zu organisieren. Ferner wurde für alle ehrenamtlichen Helfer:innen und Spender:innen Verpflegung benötigt, d.h., mehrere tausend Brötchen und mehrere hundert Kuchen mussten pünktlich und für jedermann zugänglich vor Ort sein. In den letzten drei Tagen vor der Aktion wurde halbstündlich im Radio von der Aktion berichtet. Am Vorabend fand der Aufbau statt, Schreiber- und Blutabnehmertische wurden aufgebaut und eingedeckt, der Einsatz und die Aufgaben der einzelnen Helfer:innen wurden noch einmal detailliert besprochen.

Dann war es so weit: Der Aktionstag war eisig und verschneit. Bereits eine halbe Stunde vor Aktionsbeginn warteten die ersten Spender:innen vor der Tür. 280 ehrenamtliche Helfer:innen standen bereit. Die DKMS Aktionsleiterin war während des ganzen Tages mit Jan-Philipp über Walkie-Talkie verbunden, um sich bei Engpässen möglichst schnell gegenseitig zu helfen. Als um 14 Uhr die Tore geöffnet wurden, reichte die Menschenschlange bereits einmal um den Campus.

Aus allen Richtungen strömten in den nächsten Stunden Mütter und Väter, Berufstätige, Schüler:innen und Studierende heran und stellten sich geduldig hinten an. Bereits in den ersten zwei Stunden hatten 60 medizinische Helfer:innen 1600 Menschen jeweils 5 ml Blut abgenommen.

Inzwischen war es dunkel geworden. Für Mütter mit Babys wurde eigens ein Stillraum eingerichtet. Um 17 Uhr war Schichtwechsel, sämtliche Helfer:innen wurden abgelöst. Draußen standen die Menschen weiterhin im Schnee und warteten. Studierende verteilten heißen Tee und Gebäck. Keiner verließ vorzeitig den Ort, alle warteten und wollten nur eines: Helene und anderen Leukämiepatient:innen helfen. Die durchschnittliche Wartezeit betrug eine Stunde. Doch das konnte keinen von seinem Vorhaben abhalten. Die Motivationswelle schwappte auf alle Wartenden über. „Ich habe noch nie so gerne so lange in der Kälte gestanden“, sagte eine junge Mutter und freute sich über den Tee, den sie zum Aufwärmen bekam.

Auch die unzähligen ehrenamtlichen Helfer:innen, die unermüdlich Einverständniserklärungen ausfüllten, Blut abnahmen, Spendewilligen mit Kreislaufproblemen wieder auf die Beine halfen, Kinder betreuten, Brötchen und Getränke verteilten, waren überwältigt von dem, was sich vor ihren Augen abspielte.

„Auch ich fuhr an diesem Nachmittag zur Bucerius Law School, um zu helfen und für meine Frau, die zu Hause mit Helene wartete und die Aktion aus der Ferne verfolgte, Eindrücke festzuhalten“, erinnert sich Johannes, Helenes Vater. „Ich war überwältigt von den unzähligen, wartenden Menschen, ihrer Geduld und der Hilfsbereitschaft der vielen Helfer. All diese Menschen hatten sich für und wegen Helene an diesem Tag auf den Weg gemacht und uns ihre Zeit geschenkt.“

Der Tag brach alle bisherigen Rekorde. Es wurde eine der größten Registrierungsaktionen, die es in Deutschland je gab. 5.542 Spender:innen ließen sich registrieren. Ganz Hamburg war stolz – mit so viel Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft hatte niemand gerechnet. Eine Woche später wurde für Helene eine weitere große öffentliche Aktion in Berlin durchgeführt, die das Hamburger Ergebnis noch toppte: 6.587 Berliner folgten dem Aufruf der Familie und ließen sich als potentielle Stammzellspender:innen registrieren.

Insgesamt wurden bundesweit 37 Aktionen für Helene durchgeführt. Kleine und große Unternehmen, Universitäten, Schulen und Arztpraxen führten das fort, was Jan-Philipp mit seinen Freunden gemeinsam mit der DKMS ins Leben rief – Menschen zu bitten, sich registrieren zu lassen, um Patient:innen eine zweite Lebenschance zu schenken.

Im März erhielten Helenes Eltern die erlösende Nachricht, dass ein „genetischer Zwilling“ für ihre kleine Tochter gefunden worden war. Helene wurde im April 2009 transplantiert. Doch nur kurze Zeit später erreichte die DKMS eine Nachricht, die alle Mitarbeiter:innen erschütterte: Helene starb mit knapp zehn Monaten an einem Krankenhauskeim. Für die Eltern stand die Welt still. Später gründeten sie den Verein „Helenes Helfer“. Der Verein engagiert sich für Kinder, die aufgrund körperlicher, geistiger oder seelischer Probleme kein unbeschwertes Leben führen können. Heute lebt die Familie mit drei gesunden Kindern in Hamburg. Helene bleibt unvergessen.

Ihre Mama Marisa schreibt: „Unsere Zeit mit Helene und unser mit ihrem Tod verbundenes Schicksal haben mein Leben so grundlegend geprägt, dass es sich fundamental anders entwickelt hat, als ich es jemals gedacht hätte. Den Tod meiner Tochter zu überleben hätte ich selbst niemals für möglich gehalten. Heute führen wir dennoch ein ausgefülltes Leben. Die ursprünglich angestrebte akademische Karriere habe ich an den Nagel gehängt und bin stattdessen meiner Leidenschaft für Kreativität gefolgt. Statt als Professorin an der Universität zu forschen, habe ich ein erfolgreiches Unternehmen im Handarbeitsbereich gegründet. Helene bleibt für immer in unseren Herzen. Auch für ihre Geschwister ist sie ein fester Teil der Familie.“

20.889 Spender:innen ließen sich für Helene insgesamt registrieren. Bis zum heutigen Tag haben 342 von ihnen Stammzellen gespendet und damit 342 schwer erkrankten Patient:innen eine zweite Chance auf Leben geschenkt.

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